Ein strahlender Tenor mit dem Zauber der Höhe, mit notorischer Melodiensicherheit und darstellerischer Verve, ein Sänger also, wie er im Buche steht: Das ist der Peruaner Juan Diego Flórez allemal. Und er glänzt damit seit mittlerweile 20 Jahren ohne Unterbrechung: 1996 begann seine Weltkarriere beim Rossini-Festival in Pesaro.

Dementsprechend würdevoll - und auch gewohnt belcantesk - beging die Wiener Staatsoper mit ihm das Bühnenjubiläum. Dabei bot der Soloabend einen bunten Strauß mit reichlich Rossini, zusammengebunden mit Donizetti-Lebensrollen wie dem Nemorino ("Una furtiva lagrima") oder dem Tonio (große Ansprache an die Kameraden: "Ah mes amis!" aus "La fille du régiment") sowie Liederhits von Leoncavallo (populär und gut: die "Mattinata").

Bunt ging es auch auf der Bühne zu: Zu der profund kapellmeisterlichen Klavierbegleitung von Vincenzo Scalera spielte Flórez mit den Gefühlen seiner Rollen sowie des Publikums. Strahlend klar gelang die anspruchsvolle Poesie in "Lontananza", wild gestikulierte die Stimme in allen Sphären von Corradinos Anwürfen der "Schuldigen Seele" (aus "Matilde di Shabran"); und nach Giannettos "Vieni fra"-Cavatine schmachtete die versammelte Damenwelt. Bei den zugegebenen Schmonzetten, von "Cucurrucucú Paloma" bis "Heut Nacht hab ich geträumt von Dir" (Kálmán) durfte herrlich gescherzt werden. Begeisterung, Ovationen.