Kratzen, Fiepen, Schlagen. Cluster, kleine Sekunden, keine Melodien und konventionelle Harmonien: Das Eröffnungskonzert von Wien Modern beginnt mit "Threnos", einer Komposition von Krzysztof Penderecki aus 1960, die er den Opfern von Hiroshima widmete. Am Anfang der Intendanz des neuen Wien-Modern-Chefs Bernhard Günther stehen somit Klänge, die dem emphatischen Begriff von Neuer Musik entsprechen. Eine deutliche Positionierung - könnte man meinen. Doch dann die Überraschung: Georg Friedrich Haas lässt sein hier erstaufgeführtes Posaunenkonzert mit einem c-Moll-Akkord beginnen. Das sitzt.

Die Musik evoziert die Aura des Erhabenen, die immer wieder von vierteltönigen Einschlägen durchbrochen wird. Der Solist Mike Svoboda muss statt Multiophonics expressive Phrasen produzieren, was er mit Grazie tut. Das Radio-Symphonieorchester Wien unter Cornelius Meister spielt gewohnt präzise, differenziert und voller Klangschönheit.

Auch wenn Haas gerade keine Mollakkorde schreibt, entfaltet seine Oberton-Harmonik eine quasi tonale Stabilität und schlägt eine Brücke von diffiziler Klangbastelei zu größter Verständlichkeit. Dann die nächste Überraschung: Wer bitte schreibt heute noch einstündige Symphonien? Die Antwort: Jorge E. López, der von Wien Modern mit einem Kompositionsauftrag bedacht wurde. Wo Haas um Fasslichkeit bemüht ist, überlässt sich López einer wilden Materialfülle von verzerrten Zitaten und geträumten Erinnerungen. Die Welt gespiegelt im Ich - reichlich retro fürs 21. Jahrhundert.

Konzert

Eröffnung Wien Modern

Wiener Konzerthaus