Ein wahres Gewimmel an Instrumenten herrscht auf der Bühne des Mozart-Saals: vom Grammophontrichter über vielgestaltiges Schlagwerk bis zum Cembalo. Ein Gewimmel herrscht auch in der Musik von Eva Reiter, die mit dem diesjährigen Erste Bank Kompositionspreis ausgezeichnet wurde. Schon im Eröffnungsstück "In groben Zügen" legen die vier Streicher des Klangforum Wien eine frenetische Aktivität an den Tag, während die Klänge elektronisch zur Sound-Explosion vervielfacht werden. Auch "Alle Verbindungen gelten nur jetzt" vermittelt eine überschäumende Freude am Experiment, ein Sich-Suhlen in den elektronisch verdoppelten Möglichkeiten der Klangerzeugung.

Es ist ein Konzert, bei dem man die Augen offen halten muss, weil die Produktionsbedingungen der Klänge ebenso wichtig oder wichtiger sind als die Klänge selbst. Sonst würde einem in der Auftragskomposition "Noch sind wir ein Wort..." etwa der witzige Einfall entgehen, die Differenzen innerhalb des Ensembles aufzulösen, indem die Musiker - abgesehen vom Kontrabassisten und der Komponistin an der Paetzold-Blockflöte - ausschließlich Stimme, Metallrohre und Plastikmegaphone zur Tonerzeugung nutzen. All das ist mehr vom Klang als von der Struktur her gedacht - Entwicklung steht im Hintergrund.

Einige Aspekte führen die Stücke anderer Komponisten weiter: so Friedrich Cerhas "Relazioni fragili" das Augenmerk auf die Klangfarbe, Sofia Gubaidulinas "Quattro" und John Cages "One3" das Spielerische. Ein materialreicher Abend, an dem sich außer den Instrumenten doch seltsam wenig bewegt.