Am Ende gibt es Blumen, geschüttelte Hände und gerührte Blicke. Die Blumen für den Star am Klavier, die Blicke für seine eigens erwähnte allererste Klavierlehrerin. Dem ging ein Soloprogramm aus Debussy, Liszt, Albéniz, Granados und de Falla voraus, das nicht ganz ohne Überraschungsmomente verlief.

Der Reihe nach: Bei Claude Debussys Ballade in F-Dur fand man schnell den Lang Lang, den man kennt und den so mancher auch liebt. Weiche Linien, geschmeidige Bewegungen, der verträumte Blick immer wieder in die Ferne gerichtet. Debussy war das nur am Rande.

In Liszts h-Moll-Sonate aber kommt es immer wieder zu expressiven Momenten (im Lento assai etwa), die man so von diesem Künstler sonst nur selten erlebt. Seine Interpretation lebt von extremen Wechseln in Dynamik und Ausdruck. Freilich fällt der Pianist immer wieder in sein vertrautes Schema zurück, aus einem "quasi presto" ein "Prestissimo" und aus einem "Prestissimo" etwas bis zur Unkenntlichkeit Verhudeltes aus dem Flügel zu hämmern. Daneben aber ist immer wieder ein Ansatz von Gefühl jenseits der Show zu erkennen.

Je weiter der Abend dann fortschreitet, desto öfter geht es dann aber doch wieder durch mit ihm, in den ausgewählten Suiten Isaac Albéniz‘ etwa, die er zwar auch feinfühlig einstimmt, verliert er sich zunehmend im Geschwindigkeitsrausch und der dadurch bedingten Nuancenlosigkeit.

Dass Lang Lang Musik als Hochleistungssport betreibt, ist grundsätzlich nichts Neues - und er hat es auch diesmal wieder unter Beweis gestellt. Dass er in ihr aber auch eine Kunstform sieht, hat denn doch angenehm überrascht. Zumindest stellenweise.