Er ist weder der große, pointierte Erzähler noch der eindrucksvolle, dunkeltönende Klangmaler. Und gerade das macht seine Qualitäten als Liedsänger aus. Der deutsche Bariton Christian Gerhaher begegnet dem Genre Kunstlied mit einer unerschütterlichen Unaufgeregtheit. Das heißt nicht, dass es nicht auch zu emotionalen Eruptionen kommen kann. Doch am Dienstag zeigte er im Konzerthaus - mit seinem Liedpartner Gerold Huber am Klavier - bei Liedern von Robert Schumann und Antonín Dvořák einmal mehr, dass es ihm darum geht, als Interpret hinter die Musik zurückzutreten und sie vor allem zu ermöglichen. Statt - wie viele seiner Kollegen - sich selbst und den eigenen Stimmglanz im Licht der gesungenen Musik zu baden.

Gerhahers Bariton hat in der Höhe fast tenorale Helligkeit und Kraft, eine fließende Mittellage und eine satte Tiefe. Er führt sie mit viel Selbstverständnis: Sowohl bei Schumanns wehmütigen bis sehnsuchtvollen Gesängen op.142 und op.77 sowie Antonín Dvořáks düster dramatisch und verinnerlich flehenden "Zehn biblischen Liedern". Glanzstück des Abends wurden jedoch die finalen "Kerner-Lieder" Schumanns op.35, die Gerhaher als zart abgeklärtes bis aufbrausendes Abschiednehmen gestaltete und auch den Mut zur totalen Reduktion bewies.

Dass Gerhaher und Huber seit Jahrzehnten miteinander musizieren, zeigte sich nicht nur im Selbstverständnis für einander. Selten sind Klavier und Sänger klanglich und interpretatorisch derart gleichberechtigte Kammermusikpartner.

Konzert

Christian Gerhaher (Bariton)

Gerold Huber (Klavier)

Werke von Dvořák und Schumann

Wiener Konzerthaus