Die Klänge des Klaviers und der Violine sind nicht unbedingt füreinander geschaffen. Am Donnerstag zeigten Stargeigerin Anne-Sophie Mutter und ihr Klavierpartner Lambert Orkis im Großen Musikvereinssaal, wie diese unterschiedlichen, laut Ravel sogar "unvereinbaren" Instrumente zueinanderfinden können. Seit fast 20 Jahren treten Mutter und Orkis gemeinsam auf und spielen wie ein Uhrwerk und mit höchster Präzision zusammen. Das war hier nicht nur im ersten Stück, dem von Sebastian Currier für den Geiger Lewis Kaplan 1989 geschriebenen vierteiligen "Clockwork", herauszuhören.

Scheinbare Gegensätze konnten sie vereinen: Anne-Sophie Mutter und Lambert Orkis. - © Universal
Scheinbare Gegensätze konnten sie vereinen: Anne-Sophie Mutter und Lambert Orkis. - © Universal

Für Mozarts A-Dur-Sonate KV 526 hat der Amerikaner Orkis eine besonders sanfte Klangfülle geschaffen. Andächtig und himmlisch verträumt agierte Mutter im zweiten Satz, mit sehr wenig Vibrato. Im Finale Leichtigkeit bei Orkis - Mutter ist mehr auf ihre technisch solide Virtuosität fokussiert.

Viel Spielfreudigkeit bei beiden dann bei Ravels Sonate für Violine und Klavier. Mutter und Orkis genießen die tänzerischen Elemente im ersten Satz, ganz köstlich der vom Blues inspirierte zweite Satz; Mutter fasziniert mit brillanter Bogentechnik in einem Perpetuum mobile.

Weiter im Programm mit viel Energie und dynamischen Kontrasten bei der stürmischen Sonate für Violine und Klavier von Francis Poulenc. Ein würdiger Abschluss des virtuosen Abends, und Mutter war ganz in ihrem Element bei der Introduction et Rondo capriccioso op. 28 von Camille Saint-Saëns. Große Begeisterung, vier Zugaben.