"Wien, Wien nur du allein, sollst die Stadt meiner Träume sein", wusste schon Wienerlied-Komponist Rudolf Sieczynski. Und es sind jene Träume, die das Ballett beim Neujahrskonzert als Österreich-Werbung vermittelt: Walzer-Glückseligkeit und Polka-Lebensfreude. Heuer zeichnet Renato Zanella für die Choreografie des Wiener Staatsballetts verantwortlich. Es ist bereits sein neuntes Mal: "Ich glaube, ich habe inzwischen in Wien fast alle Palais kennengelernt", sagt der ehemalige und langjährige Chef des Ensembles lachend im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

"Die Philharmoniker zu hören, im Musikvereinssaal zu sein, das Ambiente . . .", das sei wirklich etwas Besonderes. Doch weshalb ist er im Musikvereinssaal? In den letzten Jahren wurden doch die Balletteinlagen im Sommer bereits aufgezeichnet? "Das sollte eigentlich eine Überraschung sein!", so Zanella, denn heuer wird die Polka live im Musikvereinssaal von sechs Studierenden der Ballettakademie getanzt. "Mit dem Schwung und der Energie, die die Polka vermittelt, haben wir uns etwas Freudiges dazu einfallen lassen", beschreibt der Tanzschaffende die Choreografie zu "Auf zum Tanze" von Johann Strauß Sohn. Natürlich ist dieses live getanzte Stück ein zusätzlicher Nervenkitzel: "Wir haben nur eine Probe mit Publikum, und es sind Eleven, zwar mit großem Talent, aber keine Profis. Und die Proben sind nicht leicht, denn hier sind auch die Kamerapositionen zu berücksichtigen", sagt Zanella. "Das heißt, noch einmal und noch einmal und noch einmal ... Sie waren wirklich sehr brav. Für sie ist es eine wichtige Bühnenerfahrung."

Hingegen wurde der Walzer "Hereinspaziert" aus der Operette "Der Schätzmeister" von Carl Michael Ziehrer in der Hermesvilla mit dem Wiener Staatsballett aufgezeichnet. Das Jagdschloss war einst ein Geschenk von Kaiser Franz Joseph an Sisi, deren Geburtstag sich 2017 zum 180. Mal jährt, ebenso der 130. Jahrestag, an dem die Kaiserin erstmals in ihrem "Schloss der Träume" übernachtete. "Ich ließ mich von den Räumlichkeiten, von der Architektur, dem Park und von der Persönlichkeit, die hier gelebt hat, inspirieren", erzählt der Choreograf. Mitspracherecht bei der Auswahl der Drehorte hat er jedoch nicht: "Das wird vorab bestimmt. Es gibt eine Besichtigung mit dem Regisseur, und dann entwickle ich ein Konzept." Alles in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Michael Beyer, der 2017 zum vierten Mal in Folge die Live-Übertragung des Neujahrskonzerts sowie zum siebenten Mal die Regie der Ballett-Bilder verantwortet. Die fünf Tänzerpaare (Liudmila Konovalova und Robert Gabdullin, Ketevan Papava und Eno Peci, Nina Poláková und Denys Cherevychko, Franziska Wallner-Hollinek und Mihail Sosnovschi sowie Alice Firenze und Davide Dato) werden in Kostümen von Christof Cremer zu sehen sein, die laut Zanella eine Brücke zwischen der Vergangenheit und dem Heute schlagen werden.

Auch privat ist der Choreograf Fan des Neujahrskonzerts: "Es war ein Fixtermin meiner Eltern, und sie haben uns Kindern erlaubt, es mitanzusehen. Das war auch bei uns Tradition. Und ich finde es so schön, dass jetzt meine Kinder diese Tradition miterleben und fortführen."