Für das aktuelle Wiener Gastspiel des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks hatte Chefdirigent Mariss Jansons einige besondere Töne voller Dramatik parat. Wie sonst ließen sich Gustav Mahlers "Kindertotenlieder", Rachmaninows "Symphonische Tänze" op. 45 und die - hierzulande zweifelsfrei weniger bekannte - tragische Ouvertüre "Antigone" des tschechischen Meisters Vladimír Sommer anders bezeichnen? Das war kein leichter Tabak für einen Sonntagabend, der da im Goldenen Musikvereinssaal zu hören war, aber ein umso besserer.

Stand Mahlers Meisterwerk im Vorfeld unter keinem guten Stern (Waltraud Meier musste krankheitsbedingt absagen), machte Gerhild Romberger mit ihrem immens tragenden Alt die Rückert’schen Totenlieder zu einem besonderen, klanglich einwandfreien Erlebnis.

Rachmaninows "Symphonische Tänze" gehören als letzte Ausgeburt einer romantisch verpflichteten Harmonik zu den Höhepunkten aus seinem Schaffen. In der Interpretation der Münchener wurde eben diese unerhörte Energie, die der Komponist am Ende seines Lebens aus den Erinnerungen an die alte, verlorene Heimat speiste, deutlich.

Ebenso plakativ verarbeitete Sommer in seiner Ouvertüre "Antigone" die tragische Geschichte der aus Bruderliebe zum Tode verurteilten Antiheldin nach Sophokles. Maestro Jansons ließ das Ensemble mit gewohnter Perfektion in der großen, klassischen Idee aufgehen und erntete dankbaren Applaus.