Den Genuss eines vielfältigen Programms, gespickt mit Überraschungen, bot der Abend mit dem Irish Chamber Orchestra unter Jörg Widmann. Um genau zu sein, war jedes Werk ein eigener Höhepunkt für sich. Das erste Mal aufhorchen durfte man, als Mozarts Ouvertüre zu "Don Giovanni" und sein Adagio und Fuge für Streicher in c-Moll ohne auch nur einmal richtig abzusetzen, quasi als ein Werk, zügig und doch fein ausgearbeitet, durchgespielt wurden.

Der aufstrebende russische Pianist Igor Levit zeigte in seiner Interpretation des Konzerts für Klavier und Orchester ebenfalls einen ungewöhnlichen Mozart. Den Kopf stets nach vorne gestreckt, als wollte er seinen eigenen Fingern beim Spielen zusehen, breitete er das Allegro maestoso als durchgehendes Legato vor sich aus, gänzlich Mozart unlike, eigentlich. Dennoch funktioniert dieser Zugang, weil Levit es schafft, aus seiner Spielweise eine unbändige Expressivität zu formen, wenn auch keine Légerté. Diese bringt das Orchester kontrastreich in das Gefüge ein - ungewohnt, aber stimmig.

In der zweiten, Mendelssohn gewidmeten Hälfte nimmt das Staunen seinen Lauf: Im Andante der Sonate in Es-Dur für Klarinette und Klavier, in einer Widmann-Bearbeitung für Klarinette (gespielt von Widmann selbst), Streichorchester, Harfe und Celesta, meißeln Flageolets und Glissandi eine schaurig-schöne Stimmung in humorvollen Untergrund. Die Symphonie Nr. 5 lässt dann keine Zweifel mehr daran, dass man es hier mit einem experimentierfreudigen Orchester und einem innovativen Dirigenten zu tun hat.