Wenn Gustavo Dudamel und das Simón Bolívar Symphony Orchestra of Venezuela in den Musikverein laden, darf man durchaus ein musikalisches Feuerwerk erwarten. Aber erstens, kann man sagen, kommt es anders und zweitens, als man denkt. Denn Dudamel zeigte sich zum Auftakt seines Beethoven-Zyklus‘ keineswegs von seiner energischsten Seite. Im Gegenteil.

Zwar leitet er den Abend noch mit einer "Egmont"-Ouvertüre ein, die mit gut dosierter Schärfe gewürzt ist. Beethovens Erste Symphonie erklingt dann aber in sanfter Zurückhaltung, die umso radikaler wirkt, als man auf anderes gefasst war. Erfreulich unaufgeregt auch der Konzertmeister (man ist in Wien anderes gewohnt), der sich zurücknimmt, wenn es der Musik zugutekommt. So können feine Stellen schön herausgearbeitet werden, um im Finale dann doch noch die pompöse Seite herauszukehren. Die Zweite Symphonie versucht Dudamel dann kontrastreich zu gestalten, doch fehlt in manchem dialogischen Part die Differenzierung zwischen den einzelnen Klangkörpern und der Symphonie insgesamt ein wenig der Pep.

Zurückhaltung an erster Stelle


Zurückhaltung stand an vorderster Stelle, auch am Ende des Abends, an dem Dudamel - so groß sein Name auch auf den Plakaten prangt - hinter das Orchester zurücktritt: Keine Verbeugung des Dirigenten alleine, den Applaus nimmt er gemeinsam mit den Musikern entgegen. Bescheidenheit, die man sich als erfolgreicher Dirigent leisten kann.

Konzert

Simón Bolívar Symphony Orchestra

Gustavo Dudamel (Dirigent)

Wiener Musikverein