Die Wiener und die New Yorker Philharmoniker teilen sich nicht nur das Geburtsjahr (1842). Auch einige Erzieherfiguren sind ihnen gemein: Dirigenten wie Gustav Mahler, der nach seinen Chefjahren in Wien zum Orchester-Vis-à-vis in Übersee stieß. Nachgezeichnet werden diese Querverbindungen in der kleinen Schau "2 x 175 Jahre Philharmoniker", derzeit zu sehen im Haus der Musik.

Am Mittwoch wurden die New Yorker leibhaftig hierzulande vorstellig: Unter Chefdirigent Alan Gilbert beehrten sie das (auch mit hiesigen Profis gespickte) Konzerthaus. Dabei fiel aber vor allem das Trennende ins Ohr. Nicht so auffällig noch bei Béla Bartók: Wer dessen Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta sanft-seidig abwickelt, stößt niemanden vor den Kopf - das Werk zählt in Wien nicht zum Kernrepertoire. Mahlers Vierte tut es aber, und auch hier blieben die New Yorker ihrem unverhofft soften Ton treu. Gewiss: Kein Mahler-Stück kommt so einem Zugang mehr entgegen als die Vierte, diese Wohlfühl-Symphonie zwischen der klobigen Dritten und der packenden Fünften. Doch es wäre nicht Mahler, hätte er nicht auch dieses Stück mit schwerblütigen, folkloresüßen und leichenbitteren Momenten versehen. Um die meiste davon aber machten die New Yorker einen eleganten, leichtfüßigen Bogen. Und weil das finale Lied vom "Himmlischen Leben" allenfalls charmierte (kontrastreich gespielt, doch von Christina Landshamer mäßig gesungen), bleibt nur der langsame Satz in Erinnerung. Das aber nachhaltig: Es war dies ein Streicherklang, wie aus Mondlicht gewoben.