Die Geschichte Armeniens ist eine leidvolle. Nur verständlich, dass die Musik aus jener Kultur diese Stimmung in sich trägt. In diesem thematischen Umfeld bewegte sich am Montag der Konzertabend mit dem Streicher, Dirigenten und Alte-Musik-Spezialisten Jordi Savall und seiner Formation Hespèrion XXI. Sie versammelten sich unter dem Titel "Der Geist Armeniens" und warteten - anders als auf Savalls Aufnahme "Armenian Spirit" (Alia Vox) - auch mit Gesang auf.

Savall selbst beginnt den weihevollen Abend solistisch, nach und nach setzen die Musiker ein, und man verfällt langsam, aber sicher in jenen Gemütszustand, in dem man zwei Stunden lang verweilen wird: sehnsuchtsvolle Tristesse. Zwei Duduks (Doppelrohrblattinstrumente) erklingen: Während einer der zwei Musiker den Ton hält, spielt der andere die Melodie darüber. Daneben hört man Kamantsche (Stachelgeige), Fidel, Orgel und Schlagwerk. Savall selbst wechselt zwischen den Streichinstrumenten Rebec, Diskantgambe und Fidel. Die Lieder (Gesang: Aram Movsisyan) handeln von Schmerz, Krieg und Liebe, immer liegt das Augenmerk dabei auf dem Leid. Nur einmal lässt sich eine etwas erhabenere Stimmung erkennen: Gabriel Yeranians "Hayastan yerkir" ("Armenien, paradiesisches Land"), das wie eine Nationalhymne anmutet: "Immer will ich dich verehren." Auch schön.

Noch schöner aber sind die alltäglichen Geschichten, die ländlichen Gesänge, die Klagen. Erzähltes Leid, das hier durch seine glücksbringende Wirkung ins Gegenteil verkehrt wird.

Konzert

Hespèrion XXI

Jordi Savall (Leitung)

Wiener Konzerthaus