Wien. Um das Wichtigste voranzustellen: Nein, über das Wetter gebe es noch keine Gewissheit. "Geh hören S’ auf", sagt Andreas Großbauer, Vorstand der Wiener Philharmoniker, am Telefon und lacht. "Ich habe jetzt angefangen, mir die Prognosen anzusehen; sie zeigen einmal Sonne, einmal Regen." Sollte das Wetter - anders als in manchem Vorjahr - dem Orchester hold sein, beginnt sein traditionelles Gratis-Konzert in Schönbrunn jedenfalls an diesem Donnerstag um 20.30 Uhr. Dabei vollziehen die Musiker heuer gewissermaßen einen Standortwechsel. Statt die Bühne wie üblich beim Neptunbrunnen aufzustellen, prangt sie erstmals auf der gegenüberliegenden Seite: Das Podium wird direkt vor dem Schloss errichtet und von dort aus den Park beschallen.

Längere Anreise wegen weiteren Wegen und Kontrollen

Warum? "Zum einen wollten wir das Schloss ins Zentrum rücken, zum anderen können wir darin Instrumente verwahren und bekommen dort Garderoben." Außerdem habe die Lage akustische Vorteile. Als der Klang noch von der Brunnen-Seite her über das barocke Grün huschte, traf er auf die Wände des Prachtbaus - was ein starkes Echo zur Folge hatte. "Dieses Problem sollte jetzt gelöst sein." Durch die Neuausrichtung dürfte auch der Gloriette-Hügel deutlich besser mit philharmonischen Tönen versorgt werden. Absicht? Nein, sagt Großbauer: Die Kuppe gehöre seit jeher nicht zum offiziellen Veranstaltungsgelände; das habe "mit Haftungsfragen zu tun".

Für Gäste des Schlossparks ändern sich heuer jedenfalls die Wege: Sie werden länger. Der Haupteingang ist für die breiten Massen gesperrt. Diese müssen das Hietzinger oder Meidlinger Tor benützen (über die U4-Stationen Hietzing und Schönbrunn erreichbar); von dort aus führen Alleen in den Park. Die Anreise wird aber nicht nur darum zeitintensiver: An den Eingängen sollen umfangreiche Sicherheitskontrollen stattfinden. Auch Rucksäcke würden durchsucht werden, heißt es seitens der Polizei. Sie empfiehlt, Taschen am besten zuhause zu lassen.

Wer das Ziel erreicht - bei Prachtwetter wohl um die 100.000 Menschen -, wird mit einem kulinarischen Programm belohnt, das auf Best-of-Hits weitgehend verzichtet: Das sogenannte Sommernachtskonzert kredenzt heuer Stücke wie die Ouvertüre zu Humperdincks "Hänsel und Gretel", einen Auszug aus Strawinskis "Feuervogel" sowie gefällige Melodien von Tschaikowski und Dvořák. Am Dirigentenpult steht Christoph Eschenbach, der hier schon im Jahr 2014 den Taktstock hielt.

Ein Geschenk für Wien -
mit hohem Preis

Veranstaltet wird das Konzert vom Orchester selbst. Es sei dies ein "Geschenk an die Wienerinnen, Wiener und Gäste der Stadt", heißt es auf der Homepage generös. Großbauer betont gleichwohl, dass der Preis hoch ist. Das Spektakel koste die Musiker rund 300.000 Euro; Erträge aus TV-Übertragungen und CD-Verkäufen seien da schon eingerechnet. Mögen die Wiener Philharmoniker, als privater Verein organisiert, auch zu den begehrtesten Klangkörpern weltweit zählen: Laut Großbauer steht das Schönbrunn-Konzert "unter enormem finanziellem Druck" und erhalte nicht ausreichend Subvention - obwohl es auf rund 80 TV-Sendern Werbung für Österreich betreibe. "Wir fühlen uns diesbezüglich von der Gemeinde Wien und vom Bund nicht wirklich verstanden. Wir schleppen dieses Problem seit Jahren mit, da macht sich durchaus eine gewisse Verzweiflung breit."

Es bleibt abzuwarten, ob sich Großbauer damit weiterhin in führender Position befassen wird: Seine erste Drei-Jahres-Periode als Vorstand läuft demnächst ab; seine Wiederwahl beim philharmonischen Urnengang im Juni ist nicht sicher. Zwar sind bisher keine Gegenkandidaten bekannt; ein Mitglied des Orchesters prophezeit aber, die Wahl werde "spannend". Großbauer denkt jedenfalls, "intensive Arbeit" geleistet zu haben. "Die Kollegen haben das nun zu beurteilen."

Weitere Informationen sowie einen Plan zu den Zugangswegen finden Sie unter www.sommernachtskonzert.at. ORF2 sendet das Konzert ab 21.05 Uhr. Ersatztermin bei Schlechtwetter: 26. Mai