Antonín Dvořáks achte Symphonie (G-Dur) ist ein wahres Mosaik an Stimmungsbildern, die sich wie skizzenhaft aneinanderreihen. Zu Lebzeiten des Komponisten gingen die Meinungen über das Werk auseinander, teils wurde die Komposition wohlwollend aufgenommen, teils aber auch als "zu viel Fragmentarisches" beinhaltend abgelehnt. Fakt ist, dass es eine sichere Dirigentenhand braucht, die die einzelnen Elemente gut und klar miteinander verbindet. Mariss Jansons erweist sich dafür als der Richtige.

Er bringt Ruhe in diese sonst schnell flatterhaft wirkende Symphonie. Im Adagio lässt er hymnische Stimmung zu, um sie in Dramatik übergehen zu lassen, gibt dem Allegretto das erforderliche Grazioso, gesteht ihm aber auch pompöse Einsprengseln zu, lässt die Wiener Philharmoniker im finalen Allegro einen wuchtigen Höhepunkt erreichen und schließlich euphorisch dem Ende entgegensprinten. Kaum ist der letzte Akkord verklungen, hallen auch schon die ersten Bravi aus den Publikumsrängen: völlig zu Recht.

Nach Richard Strauss’ "Tod und Verklärung" und Igor Strawinskis Ballett-Suite "Der Feuervogel" geht es nach der Pause weiter und auch hier, bei Strawinski, gestaltet Jansons die Komposition einprägsam effektvoll, nicht nur im Großen, sondern auch im Kleinen und Zarten. Eine Vorführung großer Eleganz, die mit Dankbarkeit entgegengenommen wird. Jubel im Publikum, Standing Ovations für einen überzeugenden Dirigenten mit musikalischem Standpunkt und der Fähigkeit, diesen hörbar zu machen.