Was für ein sanftes Pandämonium, wenn die "drei Schattengestalten" zum Wagen hereinhuschen, der da "rollet langsam durch lustiges Waldesgrün". Erst im unendlich langen Klavier-Nachspiel bekommt man das gespenstische Grimassenschneiden dieser ungebetenen Gäste so recht mit.

Heinrich Heine hat sich die bizarre Szenerie ausgedacht, Robert Schumann hat sie komponiert. Und Christian Gerhaher hat genau damit am Montag seinen ausschließlich Schumann gewidmeten Festspiel-Liederabend im Salzburger Haus für Mozart ausklingen lassen. So ein Lied, in dem der Pianist alle Aufmerksamkeit für sich beansprucht, setzt nur ein Sänger ans Ende, der völlig im Reinen ist mit sich und seinem Klavier-Partner. So ticken Christian Gerhaher und Gerold Huber. Nie setzt sich der Sänger alleine in Szene. Diese Schumann-Exegese, destilliert aus romantischen Musikbildern ebenso wie kruden Bizarrerien dieses Zeitalters, leisteten zwei Liedgestalter, Zwielicht-Spezialisten seit Langem, quasi in Personalunion.

Christian Gerhaher versteht sich darauf, Stimmungen gleichsam en passant zu brechen. Er treibt nicht mit dem Holzhammer Keile in die Risse der Klötze, aus denen Heinrich Heine, Nikolaus Lenau, Justinus Kerner ihre Wort-Skulpturen schnitzten. Laut wird er sowieso nur ganz selten. Das meiste an diesem Abend kam aus den hinteren der Schumann-Liedbände. Schattiges, Abgründiges, Geheimnisvolles. Krass, wenn Heinrich Heine mit der ihm eigenen spöttischen Ironie in "Dein Angesicht" Empathie auf die Lippen der Dame lenkt und sogleich deren "Rot" aufs Wort "Tod" reimt. Ende der lyrischen Durchsage.