Der Soloflöte und der Celesta gehören die ersten Töne, keck greifen Fagott und Trompete die motorisch-angriffslustige Melodie auf, die nach einigem Hin und Her unvermutet in die wie parodistisch hereinplatzende Gassenhauer-Melodie aus Rossinis "Wilhelm Tell"-Ouvertüre mündet: die "Fünfzehnte" von Schostakowitsch.

In seiner letzten Symphonie ist diese Anspielung beileibe nicht die einzige Erinnerung an die bedrängte Freiheit der Kunst. Auch im letzten Satz sieht man den Komponisten förmlich die Zunge herausstrecken: Da hebt das schwere Blech mit einem Wagner-Zitat an, aber die Sache kippt in ein Tändeln und Tänzeln, als ob die Dämmerung der falschen Götter schon Realität wäre. Die Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle sind genau die Richtigen, um die Ironie, den blanken Hohn heraus zu bringen. Im zweiten ihrer beiden Salzburger Festspielkonzerte haben sie die Erste Symphonie des 19-jährigen Schostakowitsch vorausgeschickt.

Am ersten Abend war Haydns "Schöpfung" zu hören und voraus ein Stück, das die Berliner Philharmoniker bei Georg Friedrich Haas in Auftrag gegeben haben: "ein kleines symphonische Gedicht - für Wolfgang". Ein wie in hoher emotionaler Anwandlung hingeworfen wirkendes Stück, das einiges an instrumentationstechnischen Finessen aufblättert. Es ist nicht wenig raffiniert, wie der Orchesterklang zwischen Bläser- und Streicherdominanz pendelt. Der reiche Kosmos an mikrotonalen Effekten tut sein Übriges - "ein kleines symphonisches Gedicht - für Wolfgang" ist anregend und wirkt alles andere als "klein".