Schon vor der Pause Begeisterung und Demut: Das Publikum lässt sich in seiner Applaudierfreude genauso wenig mäßigen wie Thielemann darin, alles Lob an Znaider weiterzuleiten. Dieser wiederum gibt es postwendend zurück an den Maestro. Dahinter verbirgt sich freilich Koketterie, allen Anwesenden ist klar, dass der Erfolg des Abends ein Gemeinschaftswerk ist. Sowohl Christian Thielemann als auch die Sächsische Staatskapelle Dresden wie Nikolaj Znaider dürfen zufrieden sein, die Laune ist dementsprechend gut.

Mit Mendelssohns Ouvertüre "Die Hebriden" gelingt ein energischer Auftakt. Staccatoreich, in kompakter Form und gleichsam geschmeidig lässt Thielemann seine Musiker zum Flug ansetzen, um in Max Bruchs Konzert für Violine und Orchester eine Zwischenlandung zu absolvieren, die mit dem Namen des Komponisten nichts gemein hat. Triefend zwar der Einstieg Znaiders, doch Thielemann hält das Orchester ideal zusammen, lässt es mit sanfter Intensität aus dem Hintergrund hervortreten und mitgehen, wenn der Solist dazu aufruft. Akzentuiert und voll Dringlichkeit schreitet dieser zu Werke, die Gesamtphrasierung dennoch manchmal aus den Augen verlierend. Doch seine technische die Leichtigkeit begeistert das Publikum.

Brahms’ Zweite Symphonie in D-Dur wirkt daneben weniger schillernd, zumal sie eher in gleichtönender Dynamik erklingt. Wohl als Finesse gedacht, wirkt diese Interpretation stellenweise aber langatmig. Der mitreißende und stimmige Ansatz Thielemanns ist dennoch sehr respektabel.