Die klassische Rollenverteilung ist dabei, immer mehr aufgeweicht zu werden. Nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch im klassischen Musikbetrieb. Szenische Produktionen in den Opernhäusern, konzertante Aufführungen in den Konzertsälen, so hieß der Programmschlüssel bisher. Halbszenische Zwischenformen tauchten mitunter auf beiden Podien auf. Der Musikverein präsentierte am Donnerstag erstmals die szenische Opernproduktion - und beschritt damit spannendes Neuland.

Dass Franz Welser-Möst Opernerfahrung hat, ist in Wien hinlänglich bekannt, war er doch Musikdirektor der Staatsoper. Dass er mit seinem Cleveland Orchestra und Leoš Janáčeks "Das schlaue Füchslein" jetzt den Goldenen Saal bespielte, ist eine zielgenaue Pointe: Die szenisch fantasievolle und technisch hochmoderne Umsetzung, die in den USA bereits gefeiert wurde, bietet eine Portion optischer Frische, die man sich von manchen großen Opernhäusern nur wünschen kann.

Mithilfe einer gebogenen Leinwand hinter dem Orchester lieferte der Auftakt des Cleveland-Gastspiels ein opulentes Klang- und Bilderfest. Erst einmal durch den kultivierten, informierten und und nobel balancierten Klang des Orchesters und einem Dirigenten, der das Maß zwischen Schwelgen und Übersicht stets im Auge behielt. Die schlichte und cartoon-hafte Animation der Handlung (Walter Robert Studios) unterstrich in der Regie von Yuval Sharon nicht nur humorvoll Janáčeks lautmalerische Qualitäten, sondern verließ der tierisch-menschlichen Handlung eine Leichtigkeit, die auf der großen Bühne selten gelingt. Türen und Gucklöcher in der Leinwand lassen die leibhaftigen, kostümierten Sänger aus der Filmszene blicken und illustrieren - nicht immer nahtlos - die parabelhaften Züge des Werkes. Gerade bei einem Werk wie dem "Schlauen Füchslein" umschifft diese Umsetzung geschickt so manche Tücke konventioneller Regie. Das homogene Ensemble führen Martina Jankova und Jennifer Johnson Cano als die beiden Füchse mit Süffisanz, Agilität und Charakter an. Einwandfrei auch Alan Held als Förster.

Konzertsaal, Oper, Kino - die außergewöhnliche, ausverkaufte Produktion zeigt, wie einander unterschiedliche Medien auf hohem Niveau bereichern können. Dass es solche multimedialen Abende in Zukunft öfter geben wird, ist eine erfreuliche Perspektive für den immer wieder in die Krise geredeten Klassik-Markt.