Neben den neuesten Tendenzen nationaler wie internationaler Kunstmusik präsentiert das Festival Wien Modern auch heuer wieder Klassiker, Meilen- oder Stolpersteine der Neuen Musik. Ein solcher Monolith war - nach Henzes Oratorium "Das Floß der Medusa" beim Eröffnungskonzert - am Donnerstag die "Turangalîla-Symphonie", die damit ungewöhnlicherweise gleich zweimal innerhalb eines Monats im Musikverein gespielt wurde.

Messiaens mystisch-orgiastischer Liebeshymnus entfaltet sich als orchestraler Rauschzustand, dessen Pathos streckenweise wohl nur schwer zu ertragen wäre ohne die Verfremdung durch die seltsamen Orchesterfarben, die Comic-artigen Glissandi und die schauerlich bebenden Sinustöne der Ondes Martenot: Der Dinosaurier unter den elektronischen Instrumenten verlieh dem Gesamtklang unter den Händen von Nathalie Forget eine unverwechselbare Note.

Die "Turangalîla-Symphonie" ist eher kein Werk der feinen Klinge - ein Eindruck, der sich in der Ausführung durch das Radio-Symphonieorchester Wien noch verstärkte. Die Interpretation von Orchesterchef Cornelius Meister, der die anspruchsvolle Aufgabe der Koordination wacker erfüllte, gewann durch das Hervorkehren der Extreme mitunter eine fast brachiale Qualität, die von Steven Osbornes dominanter Performance am Flügel noch unterstützt wurde. Jener Großteil des Publikums, der sich nicht im Laufe des Abends von der fordernden Fülle des Messiaen’schen Klangspektakels in die Flucht schlagen ließ, goutierte die Leistung dennoch mit lang anhaltendem Applaus.