Ist das Neue Musik? Von exaltierter Gestik begleitet, krächzt eine Frau Wortfetzen ins Mikrofon, während ein Video eine rabiat geschnittene Collage digitaler Fundstücke zeigt - von DNA-Chips bis zur nuklearen Katastrophe. Dazu liefern die Streicher des Arditti Quartet eine elektronisch verstärkte, Tonales zitierende Geräuschkulisse, wenn sie nicht gerade selbst als Darsteller in Erscheinung treten. Mit "Everything is Important" betritt die Irin Jennifer Walshe Regionen fern des mitteleuropäischen Klangideals "ernster" Musik.

Auch die Rolle der Komponistin ist eine andere, stand sie bei der österreichischen Erstaufführung doch selbst auf der Bühne und dominierte mit ihrer manischen Imitation von Bruchstücken aus dem Tollhaus der medialen Reizüberflutung. Walshe errichtet keine Barriere gegen den Alltagslärm, sondern lässt ihn klanglich und bildlich von ihrer Musik Besitz ergreifen - ein beunruhigender Trip abseits hochkultureller Subtilität.

Im ersten Teil seines Wien-Modern-Gastspiels präsentierte das Arditti Quartet eher das, was man hierzulande unter Neuer Musik versteht. Passend zum Festivalmotto "Bilder im Kopf" ließ sich Clemens Gadenstätter durch Francis Bacons Papst-Bilder zur hochenergetischen Uraufführung "reissen/paramyth 3" inspirieren, die die Ausdrucksmöglichkeiten der Gattung auf die Spitze treibt.

Davor changierte Hugues Dufourts "Dawn Flight" zwischen Spektral-Harmonie und virtuosem Stimmengeflecht und komprimierte Gösta Neuwirth in seinen "Sieben Stücken für Streichquartett" expressive Gesten zu fast Webern’scher Knappheit. Reger Beifall.