"Einfache Linien": Die wollte Hannes Kerschbaumer, diesjähriger Erste-Bank-Kompositionspreisträger, im Mozartsaal des Konzerthauses erkunden. In "schurf I", dessen Symbiose zwischen Stimme und Violine von Katrin Baerts faszinierend umgesetzt wurde, war davon kaum mehr als eine Idee zu hören, deren vorhersehbare Strukturen letztendlich kein Ganzes ergeben wollten.

Wer aber die "haptische Qualität" seiner Musik schon anzweifeln mochte, wurde daraufhin schroff zurückgewiesen. In "schraffur" flogen zwischen Vierteltonakkordeon (Krassimir Sterev) und Ensemble hektische Crescendi wie wilde Pinselstriche durch den Raum und zeichneten wogende Klanglinien, die man tatsächlich körperlich zu spüren meinte. Beat Furrers "Kaleidoscopic Memories", in dem Uli Fussenegger seinen Kontrabass durch elektronische Verstärkung in klangliche Einzelteile zerlegte, funktionierte als passendes Mittelstück zwischen beiden Werken.

Übergang und Tod


Den Gegenpol bildeten die "Quatre chants pour franchir le seuil", der große Abgesang des 1998 verstorbenen Gérard Grisey. Unter dem ruhigen Dirigat Emilio Pomàricos fächerte das Klangforum Wien Griseys spektrale Klänge buchstäblich bis ins Unerhörte auf. Sopranistin Katrien Baerts deklamierte die von Übergang und Tod geprägten Texte atemberaubend unprätentiös und mit eindringlicher Klarheit. So schloss die gelungene Dramaturgie des Abends: Nach Geräuschhaftem und Greifbarem endete die Musik im Unfassbaren, in einer großen Frage, die mit leidenschaftlichem Applaus beantwortet wurde.

Konzert

Klangforum Wien

Wiener Konzerthaus