Wie der Abend mit Maestro Jansons und "seinen" Münchnern, also dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, war? - Schlichtweg umwerfend. Und umgeworfen von so viel perfektionierter Brillanz verließ das begeisterte Publikum schließlich auch den Goldenen Musikvereinssaal. Für dieses Wiengastspiel hatten zwei programmatische Gegenpole zueinandergefunden, um eine ideale Symbiose zu ergeben: Beethovens viertes Klavierkonzert - voller Poesie, raffinierter Momente, unprätentiös aber immer majestätisch schimmerte es in all seinen Facetten. Garant dafür war auch Yefim Bronfman mit seinem makellosen Klavierspiel. Kein Moment der Schwäche konnte das perfekte Bild stören. Zart im Andante, spielerisch im Rondo, immer auf Jansons’ präzise Angaben achten, begab sich der Solist in einen erhabenen Dialog mit dem Orchester.

Dem gegenüber dann Prokofjews Fünfte: Wie anders, wie absolut, herrisch, voller Energie trat die B-Dur-Symphonie dank der homogenen Orchestergruppen auf. Wuchtige Tutti, bissige Soli - und bald war der gemeinsame Nenner des Neoklassizisten (der nicht nur, aber auch war) mit dem Wiener Klassiker offenbar. Majestätisch sollte auch dieses Werk im Musikverein erklingen. Besonders hervorgehoben gehört die stringente Melodieentwicklung aus den Holzbläsern im Adagio - mit viel Elan wurden sie vom überbordenden Optimismus des finalen Allegro giocoso abgelöst. Kaum, dass der letzte Ton verklungen war, brach Jubel aus.