Der Goldene Saal des Musikvereins verwandelt sich am 1. Jänner wieder in den Nabel der Welt: Die Wiener Philharmoniker entbieten ihre Neujahrsgrüße, rund 90 Länder hören via Radio und TV zu. - © apa/Neubauer
Der Goldene Saal des Musikvereins verwandelt sich am 1. Jänner wieder in den Nabel der Welt: Die Wiener Philharmoniker entbieten ihre Neujahrsgrüße, rund 90 Länder hören via Radio und TV zu. - © apa/Neubauer

Wien. Bereits zum fünften Mal wird Riccardo Muti das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker leiten: Der Italiener dirigiert am Montag ein Strauß-lastiges Programm mit einigen musikalischen Verweisen auf seine Heimat; das Konzert wird traditionell in rund 90 Länder übertragen. Neu ist, dass das Orchester eine frisch gewählte Führungsspitze hat: Seit Herbst sind die beiden Musiker Daniel Froschauer und Michael Bladerer als Vorstand beziehungsweise Geschäftsführer tätig. Im Interview sprechen sie über das Neujahrskonzert, Zukunftspläne und eine Orchesterverjüngung.

"Wiener Zeitung":Riccardo Muti sieht das Neujahrskonzert offenbar als eine ernste Angelegenheit: In einem Interview erklärte er, während des Dirigierens auf Scherze zu verzichten; überhaupt dürfe man diese Stücke nicht auf die leichte Schulter nehmen. Aber ist das nicht Unterhaltungsmusik?

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Michael Bladerer: Beides stimmt. Natürlich sind diese Walzer als Unterhaltungsmusik geschrieben worden. Aber wir erarbeiten und interpretieren sie mit größter Ernsthaftigkeit. Und man muss sagen: Kein anderes Orchester spielt diese Musik so wie wir. Die Artikulation, die Phrasierung, der Klang, die Mischung der Farben - das ist schon sehr speziell und sorgt dafür, dass man unsere Interpretationen sofort erkennt.

Wer stellt das Programm des Neujahrskonzerts zusammen?

Bladerer:Das ist ein Work in Progress. Früher unterstützte uns der Spezialist Franz Mailer, heute ist es Peter Widholz, der Präsident der Johann-Strauss-Gesellschaft. Die Arbeit grenzt an eine Wissenschaft: Man muss einen großen Bogen spannen, dabei aber Jubiläen berücksichtigen und natürlich den Dirigenten. Mit Muti spielen wir etwa die "Maskenball"-Quadrille. Strauß hat dieses Stück geschaffen, nachdem er Verdis gleichnamige Oper gehört hat; die beiden Komponisten schätzten einander. Muti hat sehr mit der Interpretation gerungen. Bei einer Probe erzählte er uns, er habe die ganze Nacht nicht schlafen können, weil er über die Geschwindigkeit nachdachte: Soll er Verdis Tempi nehmen oder sich an das Schema der Quadrille halten, das teilweise deutlich höhere Tempi verlangt? Muti sagt, er könne nicht ganz über seinen italienischen Schatten springen (lacht).

Apropos Schlaf: Gibt es eine Anweisung, wie lang Philharmoniker am Silvesterabend feiern dürfen?

Bladerer: Nein, wir sind alle vernünftige Menschen.

Im Juni wurden Sie beide an die Spitze des philharmonischen Vereins gewählt. Ende Mai hieß es noch, der bisherige Vorstand Andreas Großbauer kandidiere für eine zweite, dreijährige Amtszeit; es seien keine Gegenkandidaten bekannt. War das eine Palastrevolte?