Daniel Froschauer:Nein. Es steht jedem frei, bei dieser Wahl anzutreten, und sie findet alle drei Jahre statt. Man vergisst das, weil Clemens Hellsberg davor 17 Jahre Vorstand war - aber das ist eine ungewöhnliche Zeitspanne. Sollte ich in drei Jahren abgewählt werden, wird es mir übrigens genau so wichtig sein wie bisher, dass der Verein der Wiener Philharmoniker gut dasteht, und darum meinen Nachfolger unterstützen.

Was wollen Sie als neuer Vorstand?

Froschauer: Dass wir uns wieder auf die Hauptsache konzentrieren: unseren Klang.

Bladerer:Es gab ein bisschen viel Drumherum an Projekten. Warum wurden wir gegründet? Der Anspruch unseres Initiators Otto Nicolai lautete: die bestmögliche Musik mit den bestmöglichen Kräften. Unsere Konzerte müssen Sternstunden sein, müssen beim Publikum etwas auslösen. Dem ist alles andere unterzuordnen.

Planen Sie konkrete Projekte?

Bladerer:Ja, eines hat mit Nachwuchsarbeit zu tun, ist aber noch nicht spruchreif. Außerdem wollen wir im Bereich Soziale Medien einen Sprung nach vorne machen. Und wir werden in den nächsten Jahren - das geht noch auf unsere Vorgänger zurück - alle Bruckner-Symphonien aufführen, jede in einer anderen Kathedrale Europas. Dazu wird immer eine Uraufführung gespielt, wir vergeben neun Kompositionsaufträge.

Die Mitglieder der Philharmoniker arbeiten auch im Orchestergraben der Wiener Staatsoper. Der Direktor des Hauses wird ab dem September 2020 Bogdan Roščić sein. Sind Sie in seine Pläne für die Zukunft eingebunden?

Bladerer:Selbstverständlich. Ich könnte unsere Saison 2020/21 nicht organisieren, ohne seine Vorhaben für diese Zeit zu kennen. Ich habe den Spielplan für Roščićs erste Saison bereits, halte diese Daten aber unter Verschluss - der neue Direktor wird sie vorstellen. Für uns ist der Staatsopernchef der vielleicht wichtigste Partner in der Zusammenarbeit überhaupt. Wir stellen das Staatsopernorchester und können ohne Abstimmung nicht auf Tournee gehen.

Ist es richtig, dass Sie mehr Frauen ans Dirigentenpult Ihrer Konzerte holen wollen? Das las man zuletzt.

Froschauer:Meine Aussage wurde etwas zugespitzt. Was ich ausdrücken wollte: Wir möchten - neben unseren Top-Dirigenten, von denen viele älter als 75 sind - auch jüngere Interpreten verpflichten, die zu uns passen. Dabei haben wir auch zwei jüngere Dirigentinnen im Auge.

Es geht Ihnen also nicht um Quote.

Froschauer: Quote steht konträr zur Idee der Wiener Philharmoniker! Wir wollen das Beste mit den Besten anbieten. Qualität hat keine Quote.

Das Orchester wurde - ein altes Thema - immer wieder für seinen niedrigen Frauenanteil gescholten. Erst seit 1997 dürfen nicht nur Männer Philharmoniker werden.

Froschauer: Heute ist die Frauenfrage kein Thema mehr. Wie gesagt, wir schauen nicht auf Quote, bei uns gewinnt die beste Person das Probespiel. Aber das sind immer öfter Frauen. Derzeit haben wir in unseren Reihen elf Philharmonikerinnen, und die ärgern sich eigentlich, wenn Journalisten sagen: "Heute habe ich so und so viel Frauen gezählt." Wir alle sind ein Orchester. Außerdem haben wir uns, aufgrund von Pensionierungswellen, stark verjüngt. Wir sind mit Sicherheit das jüngste Spitzenorchester.