Ein etwas wackliger Bläserklang, verschwommene Sextolen und ein holpriger Einsatz der ersten Violinen: Nicht gerade das eleganteste Tableau, um darauf Beethovens Neunte Symphonie auszubreiten. Statt sich jedoch an diesen anfänglichen Unsicherheiten abzuarbeiten, antworteten die Wiener Symphoniker unter Philippe Jordan schon wenige Takte danach mit selbstbewusst-insistierender perkussiver Wucht.

Jordans Ansatz, Beethovens Tempi ernsthaft zu verfolgen und mit einer Reduzierung des Streicherklangs eine durchhörbare Dialektik zwischen den Instrumentengruppen zu erreichen, brachte am Silvesterabend im Wiener Konzerthaus interessante Ergebnisse zutage. Auf den äußerst prägnant musizierten ersten Satz folgte ein etwas unausgeglichener, zwischen pointierter Vitalität und unkonkreten rhythmischen Anschlüssen changierender zweiter. Jordan ließ die jeweiligen Themenköpfe prägnant hervortreten, übergab die Phrasenenden jedoch weitestgehend ihrem Schicksal.

Im großen Chorfinale, dem ein wunderbar modelliertes, liedhaftes Adagio voranging, sang die von Heinz Ferlesch einstudierte Wiener Singakademie beherzt und mit verblüffend klarer Diktion. Die Solisten Emily Magee (Sopran), Anke Vondung (Alt), Andreas Schager (Tenor) und Dimitry Ivashchenko (Bass) agierten solide, suchten sich aber, auf der Chorempore platziert, vor allem durch Lautstärke bemerkbar zu machen. Nichtsdestotrotz gelang ein vielschichtiges, sowohl klangvolles als auch differenziertes Beethoven-Bild, welches das Werk, den Abend und nicht zuletzt das Jahr 2017 feierlich beschloss.

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