"Die Torheit ist die Mutter der Künste!" - Erasmus von Rotterdam fand nicht immer die blumigsten Worte, wenn er über Musik sprach. Vielleicht ist es gerade dieser unromantische, direkte Stil, welcher der Lehre des Denkers und damit auch der Eröffnung des diesjährigen Resonanzen-Festivals seine Besonderheit verlieh. Unter der Leitung von Jordi Savall brachten das Ensemble Hespèrion XXI und die Capella Reial de Catalunya das Wirken des Renaissance-Humanisten stimmungsvoll zum Klingen.

Mit farbenreichem, historischem Instrumentarium begleiteten die Musiker Markus Hering, der als Erzähler auch in die Rolle Martin Luthers schlüpfte, und Karl Markovics, welcher die Schriften des Erasmus mit eindrücklicher Intensität vortrug. Beide ließen aus dem losen Briefwechsel der historischen Antipoden einen aufwühlenden Diskurs entstehen.

Im Mittelpunkt stand Regina Fritsch als Allegorie der "Torheit". Doppeldeutig und mit spitzer Zunge präsentierte sie Erasmus’ Thesen ganz im Sinne ihres Erdenkers, pointiert unter satirischem Deckmantel versteckt. Ein solcher Mantel legte sich zuweilen auch über Jordi Savalls ansonsten tadellos abgestimmte Instrumentalisten und das stilistisch beeindruckende Vokalensemble: Gerne hätte man den einzelnen Werken etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt, allein die Omnipräsenz der - oftmals zur Untermalung eingesetzten Stücke - ließen die Musik zuweilen in den Hintergrund geraten.

Vielleicht war die Flüchtigkeit der Klänge aber auch ganz im Sinne des Schlussmonologs der Torheit konzipiert: "Ein Hörer soll vergessen können."