Ohne gehässig sein zu wollen: Manche Konzertbesucher in Europas Großstädten mochten die Intimität zu Hugo Wolfs "Italienischem Liederbuch" bei der Februar-Tournee von Diana Damrau und Jonas Kaufmann missen. Hierzulande wurde deutlich, dass es doch nur einen Goldenen Musikvereinssaal weltweit gibt. Und der steht eben in Wien. Glückliche Wienerstadt. Glücklicher Hugo Wolf - zumindest posthum.

Und eben glückreiche Damrau, Kaufmann sowie - Urgestein der Korrepetition - Helmut Deutsch. In dieser Zusammensetzung, bei aller gebotenen Intimität eines 2000-Besucher-Saales, sollte die Idee von Wolfs italienischen Gesängen am Montag als Lebensgeschichte nicht einfach wirken. Sie lebte, litt, entzückte. Ein farbenreiches Spiel vom Lieben, Necken, Glauben, Sterben - sprich ein Kaleidoskop des Lebens aus 46 gar nicht kleinen Petitessen sollte hier den Ruf des Jahrhundertwende-Liedkomponisten Wolf stärken.

Das geschickte Eingreifen in die Liedabfolge verstärkte die Dramaturgie und ließ die Ernsthaftigkeit hinter dem zyklischen Projekt erkennen. Gerne lachte das Wiener Publikum mit bösen Mädchenstreichen und verführerischen Barcarollen - etwa ihre "Man sagt mir, deine Mutter woll’ es nicht" oder sein fröhlich südländisches "Ständchen". Und ging in Damraus typisch reifen Ariosi ebenso wie in Kaufmanns bekannt zarten Lamenti vollends auf. Deutsch am Klavier? Er ist weniger Begleiter denn offenkundig lieb gewonnener Partner, der die perfekte Interaktion der großen Schauspieler zusammenhielt. Ovationen, Zugaben, Dankbarkeit.