Wien. Während der Wiener Musikverein auch in der nächsten Saison eine Rekordmenge an Gastorchestern aufbieten wird, trumpft das Konzerthaus nebenan durch Vielfalt und findige Konstellationen auf: Intendant Matthias Naske, der Mann mit dem leisen Lächeln und den bedachten Worten, stellte am Freitag seine nächste Saison vor. Ein Gespräch über Pläne, Provokationen und die "unverändert verletzliche" Finanzlage.

"Wiener Zeitung": Eine Werbefirma würde sich mit dem Wiener Konzerthaus vermutlich eher schwertun. Ihre Bühne bietet nicht nur Klassik, sondern auch Jazz-Termine und Pop-Events - eine enorme Bandbreite. Wie bringt man diese Vielfalt den Menschen nah?

Matthias Naske: Der Kunde bucht nicht die Vielfalt; er zahlt einfach für jene Konzerte, die bei ihm etwas auslösen. Wir pflegen unsere Vielfalt, weil es verschiedene Sehnsüchte nach musikalischer Qualität gibt und wir das akzeptieren. In der nächsten Saison veranstalten wir rund 600 Konzerte: Das braucht einen Vergleich nicht zu scheuen. Dabei geht es einerseits natürlich darum, zu unterhalten. Wir wollen aber auch Resonanzen erzeugen.

Heißt was?

Wir möchten etwas im Menschen zum Schwingen bringen. Das funktioniert interessanterweise aber nicht so gut, wenn zwischen Sender und Empfänger völliger Einklang herrscht. Besser ist es, wenn sich der Hörer an etwas reibt, zum Beispiel an Inhalten der Gegenwart.

Also unterhalten und fordern?

Absolut. Das zeigt sich auch an unseren Porträtkünstlern der Saison 2018/19. Pierre-Laurent Aimard wird Werke spielen, die für seine Entwicklung als Pianist wichtig waren, etwa György Ligetis Etüden und Bachs "Goldberg-Variationen". Das Ensemble Franui wiederum plant unter anderem einen filmischen Liederabend mit Florian Boesch, der Trompeter Thomas Gansch wird sich in all seiner Vielfalt präsentieren, Susanna Mälkki verschiedene Orchester dirigieren, und das Porträt der Komponistin Olga Neuwirth bringt auch zwei Uraufführungen. Unterm Strich geht es darum, Potenziale zu erkennen, Resonanzen und vielleicht auch Irritationen auszulösen.

Vermeiden die Menschen das nicht immer mehr? Man hat den Eindruck, sie suchen in den Sozialen Medien vor allem Bestätigung.

Gerade darum ist Reibung so wichtig. Es geht nicht darum, einfach nur möglichst schöne Konzerte zu bieten.

Jede Stimme ist bei Ihnen aber auch nicht willkommen. Sie sagten im Vorjahr, Sie würden Andreas Gabalier nicht im Konzerthaus auftreten lassen, man müsse wissen, "wofür er steht". Der Musiker klagte Sie daraufhin, er blitzte damit aber ab.