Was für ein Holzbläser-Chroma im dritten Satz von Brahms’ Zweiter Symphonie: Das sind jene Momente - und derer gibt es so wenige nicht bei den Osterfestspielen -, in denen einem bewusst wird, wie sehr dieses Festival mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden gewonnen hat, die so wohltuend ihre Individualität herausstreicht. Doppelt bewusst wurde das am Montagabend im Großen Festspielhaus. Da hat Sol Gabetta den mit 50.000 Euro dotierten Herbert-von-Karajan-Preis aus Eliette von Karajans Stifter-Händen überreicht bekommen. Zuvor spielte sie Schumanns Cellokonzert, und da hatte man ausreichend Gelegenheit, über das Eigenständige in der Musik nachzudenken.

Klar doch, für die 36-Jährige kommt die Auszeichnung wohlverdient. In der Cello-Upperclass spielt Sol Gabetta auf denkbar überzeugende Art mit, als Solistin ebenso wie als Kammermusikerin. Die Lyrismen, mit denen Robert Schumann gerade in diesem Konzert Mendelssohn Bartholdy ein Denkmal setzte, lässt sie mit sagenhafter Ebenmäßigkeit und angenehmer Eloquenz fließen. Schumann schrieb über Mendelssohn, ihm spiele "immer ein Lächeln um den Mund". Ein solches Lächeln strahlte in dieser halben Stunde.

Soll Musik dauerlächeln? Christian Thielemann und die Staatskapelle hätten gar nicht so wenig griffige Anknüpfungspunkte geboten, auf dass auch Spannung hätte wachsen können. Hat nicht wollen sein und wurde vom Publikum auch nicht vermisst.

In Mendelssohns "Hebriden"-Ouvertüre wurde der motorische Input zurückgeschraubt. Vielleicht ein Stück historische Wahrheit: Mendelssohn hat die Inselgruppe mit dem Raddampfer umfahren, und die Wellen haben sich drumherum höchstens gekräuselt. Dafür in Brahms’ "Zweiter" recht nachhaltige Hinweise darauf, dass die friedlichen Stimmungen durchaus trügerisch sind.

Konzert

Sächsische Staatskapelle

Christian Thielemann (Dirigent)

Großes Festspielhaus, Salzburg

Hörfunkübertragung am Ostermontag, 11.03 Uhr, auf Ö1