Dass Andris Nelsons gerne brachial ans Werk geht, ist nichts Neues. Die linke Hand wie üblich hinter sich ans Pult geschnallt, den Dirigierstab wie ein Florett in der rechten, kämpft er sich regelrecht durch die Musik. "Allez!"

Ungestüm ist auch diesmal seine Spielart bei Beethovens Fünftem Klavierkonzert und Brahms’ Vierter Symphonie. Bereits zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit sah man Yefim Bronfman in einem Beethoven-Konzert am Klavier. Feurig hingeknallt, präsentiert das Gewandhausorchester Leipzig dieses in einem ziemlichen Tempo. Bronfman kann die Klarheit vor allem in den rascheren Passagen nicht durchhalten, mancher Lauf wird hier zu Kauderwelsch. Überhaupt zeigt er wenig Eigenes, wenig Mutiges in seiner Spielweise.

Der folgenden Interpretation von Brahms’ Symphonie kann man vieles vorwerfen, aber sicher nicht, dass sie verkitscht wäre. Aber: Ein wenig Feingefühl dürfte es schon auch sein. Etwa wenn es darum geht, die Lautstärkenverhältnisse innerhalb des Orchesters zu regulieren. Oder wenn es um die Differenziertheit geht.

Die Struktur verschwimmt

"Alle Dinge, die nicht differenziert abgehandelt werden, kommen später vulgär zurück", hat Werner Schwab einmal gesagt, und so geschieht es hier. Nelsons reißt das Orchester mit wie ein Fluss Geröll. Dass da die einzelnen Stimmen wild durcheinanderpurzeln, liegt in der Natur der Sache, vor allem in den flächigen Teilen. Der tänzerische Part im dritten Satz gelingt etwas besser, doch immer wieder verschwimmt die Struktur.