Geschmeidiger Klang: Christian Gerhaher. - © Sony/Gregor Hohenberg
Geschmeidiger Klang: Christian Gerhaher. - © Sony/Gregor Hohenberg

Vielleicht lag es am strahlenden Wetter, vielleicht aber auch am düsteren Programm: Als das Orchestra of the Royal Opera House am Samstag das Wiener Konzerthaus besuchte, klafften Lücken im Parkett des Großen Saals. Schade, denn die gebotenen Werke aus den Gräueljahren rund um den Zweiten Weltkrieg hätten sich geschlossene Sitzreihen verdient. Etwa Richard Strauss’ "Metamorphosen" für 23 Solostreicher: ein wortloses Lamento über die zerbombte Heimat, in dem der greise Komponist noch einmal zu alter Intensität findet. Dirigent Antonio Pappano lässt diese Musik aus einem dürren Rinnsal heraus zum wuchtigen Strom anwachsen. Eine Lesart, die den Strauss’schen Kontrapunkt nicht bis zum Grund ausleuchtet, aber enorme Sogwirkung erzielt.

Eine solche stellt sich auch in den "Jedermann"-Monologen von Frank Martin ein. 1943 hat der Schweizer seinen Liederzyklus begonnen und sich dabei an Hofmannsthals Drama bedient: Sechs Textstellen beleuchten den Gesinnungswandel der sterbenden Figur - von einer Agonie, die in grelle Klangfarben gehüllt ist, bis zur religiösen Bekehrung mit zarten Harmonieverläufen. Christian Gerhaher hat sowohl für dieses späte Credo die nötige Geschmeidigkeit als auch die Kraft, um seinen Bariton anfangs durch eine dicke Orchesterwand zu wuchten.

Ergreifendes Schlusswort

Schostakowitschs "Acht britische und amerikanische Volkslieder" sinddagegen ein Fall fürs Geschichtsbuch: 1943 für die alliierten Kampfgefährten orchestriert, lässt das Gastgeschenk weder Raffinesse noch Originalität erkennen.

Umso mehr kann ein Orchester mit den "Enigma-Variationen" von Edward Elgar (1899) glänzen, und das tun die englischen Gäste im großen Stil: kein Werk der Weltkriegszeit, gewiss, doch mit seinem humanen Gestus und den ergreifenden Streicher-Chorälen ein wohltuendes Schlusswort.