Ein Tag am Meer. Das Licht nicht gleißend hell, eher milchig trüb, ein bisschen diesig. Dieses Bild erzeugte Piotr Anderszewski mit seinem Klavierklang zu Beginn des Soloabends im Konzerthaus. Eine herrliche Atmosphäre, die die Anwesenden im Mozart-Saal bis zum letzten Ton fesseln sollte.

Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge 1 aus dem zweiten Band des "Wohltemperierten Klaviers" zur Eröffnung: Bei der Fuge lugte die Sonne hinter den Wolken hervor. Unmittelbar schloss sich Mozarts c-Moll-Fantasie KV 475 an. Ausbalanciert, kontrolliert und doch entrückt. In einem Interview meinte Anderszewski, dass er auf dem Konzertpodium gleichsam vor Zuschauern monologisiere. Er liebe die Einsamkeit, möchte sich aber mitteilen. Eine Feststellung, die sich auf diesen Abend übertragen ließ. Nahtlos an die Fantasie reihte sich Mozarts Sonate c-Moll KV 457.

Nach der Pause teilte Ander-szewski dem Publikum mit, dass er sich für eine andere Reihenfolge entschieden habe. Zuerst Leoš Janáček, dann Frédéric Chopin und schließlich Bach. Fünf Kleinode des mährischen Komponisten aus dem Zyklus "Auf verwachsenem Pfade", die, wiederum ohne Unterbrechung, zu den drei Mazurken op. 56 von Chopin führten. Stellenweise impulsiv, klanglich nuanciert, durchaus individuell. Es schien, als entstünde die Musik gerade eben. Anderszewski lauschte den von ihm erzeugten Klängen, lenkte sie, ließ sie schweben. Frei für den Moment. Um wieder zu Bach zurückzukehren, zur Englischen Suite Nr. 3
g-Moll BWV 808. Herrlich!