Für die Informierten war es offenkundig. Die Texte der ausgewählten Lieder ließen kaum einen Zweifel. Immer wieder war von Abschied, Trennung, Melancholie, Kummer und Einsamkeit die Rede - auch wenn dazwischen mehrfach der Spaß vorbeischaute, den Patricia Petibon so gut wie immer zu ihren Programmen mitbringt. Den Dienstagabend im Brahms-Saal des Musikvereins widmete die französische Sängerin aber ihrem im Februar verstorbenen Mann, dem Jazzgeiger und Komponisten Didier Lockwood. Petibon hatte das Programm unter das Motto "Metamorphose" gestellt. Auch die Liebe kann verwandeln.

Die Ehrlichkeit, mit der die Künstlerin Musik gestaltet, ist stets beeindruckend. Fern von Konvention, Usancen und herrschenden Geschmäckern folgt sie ihrer Intuition. Petibon lässt Papierschiffe tanzen, wiegt sich unter einem Tuch, dem Flügel aufgedruckt sind, krächzt wie ein Papagei, schmückt sich mit knallgrünem Haar- und Gürtelband. Derlei Gegenstände werden in ihren Händen zu selbstverständlichen Requisiten, um eine Stimmung zu verstärken. Dabei reicht Petibon eine Geste, um ins Schwarze zu treffen, zuweilen mitten ins Herz. Bei Ravels "Pavane", zu der sie einen zum Teil eigens geschriebenen Text sang. Oder bei "Grenouille", dem Zugabenstück, einst von Benoit Sourisse für Didier Lockwood komponiert. So viel Offenheit auf der Bühne erfordert Mut. Pianistin Susan Manoff fungierte als Fels in der Brandung all der Emotionen dieses so persönlichen Programms.

Das Leben ist Verwandlung. Was zählt, ist der Augenblick. Diese Botschaft gaben Petibon und Manoff dem Publikum mit auf den Nachhauseweg. Ein Ausnahmeabend allein schon deshalb.