Es war wieder einmal so weit. Daniel Barenboim und Martha Argerich beehrten Wien. Mit im Gepäck ein Programm bestehend aus Debussy, Debussy und noch mehr Debussy. Zum 100. Todestag des Komponisten wurde dieser ausgiebig gefeiert - völlig zu Recht, versteht sich, und auf eine Weise, die ihm gerecht wurde. Wobei: Gesamt gesehen war fraglich, ob hier wirklich alle Soloparts demselben Komponisten dienen. In "Prélude à l’après-midi d’un faune" tönte die Flöte kantig und geradlinig, in der "Fantaisie" für Klavier und Orchester klang die Konzertmeistergeige romantisiert.

Federleicht, doch mit Kontur

In letzterem Stück dann auch Argerich. Nach kurzem Verwirrspiel ist klar: Sie hat sich nicht ihr Haar gefärbt, sondern betritt lediglich kurz nach ihrer Umblätterin die Bühne. Während diese sich noch über den kurzen Zwischenapplaus freuen darf, zeigt Argerich schon, wie viel Bedeutung und Emotion sie in einen einzigen Ton legen kann. Federleicht sind ihre Läufe, doch Härte und Konturen zeigend. Der Orchesterklang schwillt unter Barenboims Dirigierstab wie pulsierend an und ab, während die Soloinstrumente im fließenden Übergang wechseln. Und bevor die Staatskapelle Berlin in den lautstarken "Images" für Orchester noch einmal ihre Präzisionskünste zeigt und die Bläser ihre unterschiedlichen Charaktere demonstrieren, wenden sich Barenboim und Argerich einander vierhändig am Klavier zu, ganz intim und zartklingend, in der Zugabe "Pour l’Égyptienne": eine Freude für Liebhaber des Großen und des Kleinen.