Mit dem Crossover ist es so eine Sache. Meistens entsteht es aus einer Not heraus. Selten gibt es musikalische Gründe dafür, meistens nur persönliche. Oft geht das Projekt daher schief. Etwa wenn fertigstudierte Jungmusiker auf Arbeitssuche sich in einer Nische einnisten wollen, weil alle anderen musikalischen Plätze bereits besetzt sind. Manchmal auch deshalb, weil die Musiker das ausgesprochen hohe Niveau, das in der Klassik notwendig ist, nicht erreichen können und sie diese deshalb mit Popularmusik würzen.

Oder wenn sich bei ausgebildeten Jazzmusikern nach einigen erfolgreichen Jahren plötzlich der Wunsch breitmacht, Mozartarien zu singen. Rufus Wainwright als Don Giovanni? Oder umgekehrt: Edita Gruberova als Girl from Ipanema? Dem Vater grauset’s.

Insofern hat der Begriff Crossover in den letzten Jahrzehnten stark gelitten. The Erlkings sind sich dieser Problematik bewusst. Denn auch sie müssen sich mit diesem Prädikat herumschlagen. Sie wissen um die Abnutzungserscheinungen und das Absturzpotenzial desselbigen nur zu gut Bescheid. Dennoch setzen sie auf dieses Pferd. Aus Überzeugung von ihrer Sache, wie sie betonen.

Mit Samthandschuhen

Die Sache, um die es geht, lässt sich folgendermaßen beschreiben: Schubertlieder, ins Englische übertragen und neu arrangiert für Gitarre, Cello, Schlagzeug und Tuba, stellenweise auch Vibraphon. Doch was in dieser Instrumentation nach purem Pop klingt, mengt sich in der Praxis sehr stimmig in den klassischen Grundton. Der Inhalt des Ganzen bleibt klassische Musik, nur die traditionelle Form ist eine andere. Denn allein die Aufführungspraxis im fixen Quartett ist eher unklassisch, macht mehr auf "Band".

Das Konzept dahinter? Schubert neuen Atem einzuhauchen, ihm "manch gülden Gewand" überzustreifen, ihn mit "Kron’ und Schweif" zu schmücken. Sprich, ihn mit Samthandschuhen zu modernisieren. Und auch wenn dieses Vorhaben an sich fragwürdig sein mag - denn es setzt voraus, dass Schubert modernisiert werden muss! -, das Ergebnis funktioniert. Denn schon die auf Englisch leicht adaptierten Texte von Goethe, Heine oder Müller wirken sehr stimmig. Und Schubert mit Groove zu unterlegen, funktioniert überraschend gut. Vor allem deshalb, weil die vier Herren viel Gespür für die Musik an den Tag legen und etwa "Die trocknen Blumen" nicht mit penetrantem Schlagzeug-Bumm-Tschak hinterlegen, sondern gezielt Bassdrumschläge setzen, wo diese die Spannung tatsächlich verstärken. Doch nicht nur Gespür, auch ein exzellentes musikalisches Niveau darf man den vier Musikern - Bryan Benner (Gitarre, Gesang), Ivan Turkalj (Violoncello), Gabriel Hopfmüller (Tuba), Thomas Toppler (Percussion, Vibraphon) - attestieren.