Es ist dieses kollektive Lächeln, dieses besondere Gefühl der Gemeinsamkeit. Es entsteht, sobald die berühmte "Ode an die Freude" durch die Celli und die Bässe eingeführt wird. Wie ein halbvergessenes Lied, das man sich im Vor-sich-hin-Summen wieder zusammensucht - meinte der Musikschriftsteller Adolph Bernhard Marx. So bekannt, so oft gehört, und doch immer wieder ein Ereignis: Ludwig van Beethovens Neunte Symphonie.

Im Wiener Musikverein durchschritt am Samstag Andris Nelsons mit den Wiener Philharmonikern, dem Wiener Singverein und einem exquisiten Solistenquartett diese überwältigende, dynamische wie klangliche Steigerungskurve. Vom leeren Quintklang zu Beginn des ersten Satzes bis hin zum siegreichen Freudentaumel, vom unbestimmten Schwebezustand bis zum taumelnden Kuss der ganzen Welt.

Voller Inbrunst brachten Camilla Nylund, Gerhild Romberger, Klaus Florian Vogt, Georg Zeppenfeld und der formidable Chor (Einstudierung Johannes Prinz) Schillers Worte zum Ausdruck, mit deren Vertonung der Komponist Sängerkehlen und Instrumentalisten an ihre Grenzen führte - und darüber hinaus, übers Sternenzelt. Die Philharmoniker klangen sehr gut, leuchtend die Flötensoli, warm und kompakt die Streicher. Andris Nelsons ging mit dem breiten Pinsel zu Werke. Mancher Kontrast hätte schärfer, manche gestalterische Idee differenzierter ausfallen können.

Der besungene Funke sprang über im von Hitze und Erwartung aufgeladenen Goldenen Saal. Minutenlanger, begeisterter Applaus zum Schluss.