"Herr, lehre mich, dass es ein Ende mit mir haben muss, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muss." Es ist der markanten Eindringlichkeit des Baritons von Andrè Schuen zu verdanken, dass diese Worte das Publikum des Großen Mozarteum-Saales bis ins Mark erschütterten. Doch nicht alleine ihm, denn Johannes Brahms’ "Ein deutsches Requiem" erwies sich bei den Salzburger Pfingstfestspielen am Wochenende als ein feiner Höhepunkt exquisit besetzter Kammermusik.

Nach der kargen Pracht von Anton Bruckners "Pange lingua et Tantum ergo" zur Einstimmung der geistlichen Matinee lag es vor allem am herausragenden Chor des Bayerischen Rundfunkes die vielen Nuancen dieser leidens- wie trostvollen Menschheitsklage zu realisieren: wortdeutlich, fein dosiert und doch voll und mächtig im Klang. In der Fassung für Chor, Soli und Klavier zu vier Händen realisierten den Instrumentalpart Pierre-Laurent Aimard und Salzburgs Festspiel-Intendant Markus Hinterhäuser ebenso eindringlich wie seelenvoll. Genia Kühmeier ließ das Sopran-Solo in glänzender Zartheit erstrahlen und vermochte, der Menschheit Klage um die eigen Vergänglichkeit Trost zu spenden.

Dirigent Jérémie Rhorer am Pult gelang es, all diese diffizilen Intensitäten zu einem homogenen Ganzen zu bündeln, sie einander nicht überlagern zu lassen und sie jeweils für sich und gemeinsam ihre ganze Wort- und Klangpracht entfalten zu lassen. Zum Dank gab es ausgiebigen Jubel.