Die Stille vor Beginn eines Konzerts ist kostbar. Jedes noch so kleine Geräusch zieht da unwillkürlich die Aufmerksamkeit auf sich. Ironie des Schicksals, wenn der Motors eines Vibrafons sein rhythmisches Pulsieren gerade vor dem Ensemblewerk "temA" hören lässt - jener Komposition, in der Helmut Lachenmann 1968 erstmals den konventionellen Instrumentalklang hinter sich ließ und stattdessen den physischen Vorgang der Klangerzeugung in den Fokus rückte. Ironisch auch, dass der zweite Programmpunkt, Francesca Verunellis "Cinemaolio", ausgerechnet von der Vorstellung einer motorbetriebenen Musikmaschine inspiriert wurde.

Trotz kurzer Probenzeit entfaltete der Eindruck des Mechanischen, der an eine leicht defekte Spieluhr erinnerte, in der Interpretation durch Phace seinen Reiz. Das Ensemble hatte dem von Michael Wendeberg dirigierten Abend im Konzerthaus als Motto die "Luft" vorangestellt - in der Form des Atems dominierte sie auch "NOT I", das die Komponistin und Vokalartistin Agata Zubel sich selbst auf den Leib geschrieben hatte. Getragen wurde es ganz von der stimmlichen Performance, während die vergleichsweise konventionelle Instrumentalbegleitung eher im Hintergrund blieb.

Dagegen war die Uraufführung des Abends ganz vom Ensemble getragen: Das auf einem Kompositionsauftrag von Phace basierende "Caprice (VIII) pa[ren]thétique" von Thomas Wally präsentierte sich als organisch fließende Klangmasse, die großzügig Momente traditionellen Wohlklangs andeutete, um die trügerische Stabilität gleich wieder zu verlassen. Beifall für alle Beteiligten.

Konzert

Phace

Berio-Saal, Wiener Konzerthaus