Über 60 Uraufführungen und 50 Erstaufführungen - allein zahlenmäßig ist das eine mehr als ansehnliche Bilanz. In den vergangenen acht Jahren konnte das ORF Radio-Symphonieorchester Wien mit dem Chefdirigenten und künstlerischen Leiter Cornelius Meister besonders im Bereich der zeitgenössischen Musik sein Profil markant schärfen.

Auf Wunsch von Meister wurde beim Abschiedskonzert im Wiener Konzerthaus Gustav Mahlers Dritter Symphonie Neukomponiertes vorangestellt. Beat Furrer widmet sich in "nero su nero" der Nuancierung von Dunkelheit und Lichts. Mit allergrößter Sorgfalt instrumentiert, klanglich faszinierend, in seiner Wirkung vor allem im Mittelteil bedrückend bedrohlich.

Ohne Pause schloss sich Gustav Mahlers riesig dimensionierte Symphonie an. Wer diese dramaturgische Entscheidung verantwortet, erwies dem Orchester einen Bärendienst. Die sechs Sätze sind bereits ohne neu zu lernendes Zweitwerk eine neunzig Minuten andauernde spieltechnische Herausforderung, die jedes Orchester an seine Grenzen führt. Eine Tapferkeitsmedaille für die wackeren Blechbläser! Intonatorische Abwege mag man verzeihen, aber wenn die Musik zu oft ins Stocken gerät, braucht es von Dirigentenseite sichtbareres Engagement und konkretes Zupacken. Nicht nur Mezzosopranistin Alice Coote wirkte verloren inmitten der besungenen tiefen Mitternacht. Ihr Handkuss für den Konzertmeister am Ende war mehr als berechtigt. Vital und kernig agierten die Wiener Sängerknaben und die Damen der Wiener Singakademie.

Konzert

RSO Wien

Cornelius Meister (Dirigent)

Konzerthaus