Vor 30 Jahren debütierte der damals siebzehnjährige Evgeny Kissin mit den Moskauer Virtuosen an der Salzach. Rasch zu einem Fixstern am Klavierhimmel geworden, ist er seitdem regelmäßig zu Gast im ausverkauften Großen Festspielhaus, das bei seinem Spiel zu einem intimen Konzertsaal zu schrumpfen scheint.

Werke von Komponisten aus zwei Generationen hatte Kissin am Donnerstag im Gepäck. Im Mittelpunkt stand Robert Schumanns selten aufgeführte dritte Sonate f-Moll, die der Komponist selbst als "einzigen Herzensschrei nach Dir" bezeichnete. Nach Clara Wieck, zu der er in dieser Zeit seine Zuneigung entdeckte. Kissin kombinierte die Fassungen von 1853 und 1862, indem er das nachkomponierte Scherzo und aus der ersten Fassung im dritten Satz alle sechs Variationen auf ein Thema von Clara Wieck spielte. Mit maßvollen Pedaleinsatz und auf Klarheit setzend, durchmaß Kissin das einleitende Allegro und das sperrige Scherzo, bevor er Schumanns Liebeserklärung an Clara Wieck musikalisch nachempfand. Stilistisch schlug der virtuose Schlusssatz den Bogen zurück zu Chopins Nocturnes. Kissin brachte zu Beginn des Abends drei zu Gehör, deren schwermütiger (op. 37 Nr.2) und träumerischer (op. 62 Nr. 2) Charakter ihm noch mehr zu liegen schienen als Schumann.

Bei Ausschnitten aus den Préludes - Livre I und II - von Claude Debussy gelangen Kissin wunderbare Feinzeichnungen. Ähnliche Möglichkeiten boten ihm Alexander Skrjabins vierte Sonate, deren rauschhaftes Fis-Dur-Ende das Publikum jubeln ließ.

Konzert

Evgeny Kissin (Klavier)

Salzburger Festspiele