"Ich hab zwar ka’ Ahnung, wo ich hinfahr, aber dafür bin ich gschwinder durt", heißt es in einem alten Schlager Gerhard Bronners. Das Lied konnte einem am Mittwoch recht unvermutet einfallen - bei einem Klassiktermin auf Schloss Esterházy. Dort hat zum zweiten Mal der Konzertreigen Herbstgold begonnen, veranstaltet vom Hausherren, den Esterházy Betrieben. Die haben dem Vorgänger-Festival, den Haydntagen, die Tür gewiesen und tischen seit 2017 einen Mix aus Klassik, Jazzpop und Gastronomie im und rund um den Haydnsaal auf, heuer unter dem Motto "Krieg und Frieden".

Ein Cellist von hohen Gnaden: Nicolas Altstaedt. - © M. Borggreve
Ein Cellist von hohen Gnaden: Nicolas Altstaedt. - © M. Borggreve

Schlager setzt es hier zwar nicht. Zur Eröffnung kam einem das Lied vom legendären Raser auf seiner "Maschin" trotzdem in den Sinn, denn Nicolas Altstaedt sprengte als Dirigent von Beethovens Fünfter alle Tempolimits - ohne klare Kursvorgabe. Wo wollte er hin mit dem Stück? Das war so fraglich wie das Ausmaß der Proben. Nach einem Wackelstart wurde das Finale jedenfalls endgültig zur Schnellstraße erklärt und über diese B5 grob gebrettert. "Herbstgold" war das nicht.

Das Cellokonzert von Edward Elgar hätte sich immerhin Bronze verdient. Altstaedt, Solist und Leiter, bewies mit allem Ausdrucksfeuer, warum er zur Blüte der Cellistenzunft zählt. Andererseits: Solange ihm kein dritter Arm für die Orchesterleitung wächst und die Haydn Philharmonie ihre Noten richtig, aber gestaltungsarm vom Blatt spielt, wäre die Hinzuziehung eines Dirigenten ratsam. Wobei man sagen muss: Altstaedt, Zentralgestalt des Festivals, war noch am Sonntag aus Krankheitsgründenfür einen Termin verhindert. Womöglich auch das ein Grund für die musikalische Blässe.

Gelungen ist jedenfalls der Tribut an den Genius loci. Die "Militärsymphonie" des Joseph Haydn schöpfte aus dem Vollen ihres Arsenals, spielte ihre martialischen Attacken ebenso gekonnt aus wie die überraschenden Lyrismen: eine entwaffnende, wendige Lesart im Geist des Originalklangs.