Juan Diego Flórez, bei der Zu- gabe selbst an der Gitarre. - © Flórez
Juan Diego Flórez, bei der Zu- gabe selbst an der Gitarre. - © Flórez

(irr) Die Galakonzerte der Opernstars genießen einen zwiespältigen Ruf - zu Recht. Begleitet von einem Orchester, das so unbekannt ist wie leicht verfügbar, setzt es meist ein - freundlich gesagt - kunterbuntes Programm. Der Erfolg ist dennoch bombensicher. Immerhin hat der Fan für die Sängerhoheit tief ins Börserl gegriffen. Der Abend muss also gefallen, auch wenn sich der Star bizarre Ausritte erlaubt, wenn er Popsongs anstimmt und mit einer so prallen Opernstimme schmettert wie einst Luciano Pavarotti, dessen Crossover-Aufnahmen als das Pendant zur Kombination Bratwurst trifft Schokosoße gelten dürfen.

Beifall erntete am Dienstag auch Juan Diego Flórez im Konzerthaus, auch er mit einem Crossover-Programm. Allerdings: Der Feschak aus Peru hat keinen Fuß ins Fremdland Pop gesetzt. Er nimmt sich Liedgut aus Lateinamerika zur Brust. Darin ist er nicht nur seit Kindestagen firm. Der Vorteil ist auch: In dieser Musik über Liebe, Land und Herzeleid (corazón!) sind Tenöre seit jeher heimisch, sie wirken also nicht wie Fremdkörper - wenn sie ihre Opernkräfte zu drosseln verstehen.

Flórez, dezent mikrofoniert und von einer schmalen Kombo begleitet, gelingt nicht nur das. Er besitzt jenes sagenhafte Timing, das auch über totgespielten Hadern die Sonne aufgehen lässt. Hier ein paar verschlapfte Triolen, da ein neckischer Pralltriller, ein zackiger Einsatz, und dann: "Guantanamera"!

Dazu beherrscht er jenes Wechselspiel aus süßweichem Karamellklang und kerniger Testosteron-Attacke, das den Eros dieser Musik ausmacht. Glanzlicht aus der Faserschmeichlerabteilung: der Spitzenton in "Cucurrucucú paloma", schier ewig ausgehalten. Highlight der Herzensglut: die Sehnsuchtsballade "Sombras", die im großen Drama gipfelt. Zuletzt kollektives Paschen zu "La pollera colorá" und die Überzeugung der Sitznachbarin: "Bésame Mucho", Florez’ zugehörige CD, dürfte das ideale Weihnachtspräsent sein.

Konzert

Juan Diego Flórez

Wiener Konzerthaus