Mit Schreibworkshops in einem Gefängniskomplex neben der mittelalterlichen Zisterzienserabtei von Clairvaux, am Rand der Champagne, hat alles begonnen. Die Gedichte der Insassen wurden in Musik verwandelt. Etwa vom französischen Komponisten Philippe Hersant. 2012 schuf er "Instants limites"; auf Wunsch von Dirigent Teodor Currentzis erweiterte er die Komposition auf knapp eineinhalb Stunden. Zu den Gedichten der noch lebenden Häftlinge traten Vertonungen russischer Lyrik - Ossip Mandelstam, Warlam Schalamow, Michail Frolowski. Uraufgeführt wurde die Choroper "Tristia" 2016 in Perm.

Bedingungsloser Einsatz

In Anbetracht dessen mag man an schwere Kost denken. Keineswegs. Ätherisch leicht, sinnlich und tief bewegend sind diese Elegien. Mit großem Applaus bedachte das Publikum den bei der österreichischen Erstaufführung am Dienstag im Konzerthaus anwesenden Komponisten. Fulminant gestaltete der musicAeterna Chorus of Perm Opera die mehr als 30 kurzen, teils sehr unterschiedlichen Szenen. Die Miniaturen wurden von wenigen, punktuell eingesetzten Instrumenten unterstützt: ein Akkordeon, eine Flöte, eine Geige, ein wunderbar variabel auftretendes Fagott, Blechbläser, Schlagwerk. Herrlich der Chorklang - individuell und doch ein großes Ganzes, beeindruckend auch der bedingungslose Einsatz, wie so oft bei von Teodor Currentzis geleiteten Projekten. Einzig der stark abgedunkelte Saal machte ein Mitlesen der Gedichte unmöglich. Dabei waren sie doch der Ausgangspunkt.