Auf der Karriereleiter vom Leporello zum Giovanni aufgestiegen: Bassbariton Ildebrando DArcangelo, am Samstag bei der "Musikalischen Rückschau" der Wiener Staatsoper präsent. Foto: berisha/DG
Auf der Karriereleiter vom Leporello zum Giovanni aufgestiegen: Bassbariton Ildebrando DArcangelo, am Samstag bei der "Musikalischen Rückschau" der Wiener Staatsoper präsent. Foto: berisha/DG

Und er beschert auch DArcangelo einen Premieren-Termin - in einem Mozartreich, in dem der Mann aus Pescara ebenfalls Karriere gemacht hat: im "Don Giovanni". Nach etlichen Dienerjahren als Leporello ist DArcangelo zum Giovanni avanciert, den er nächste Saison auch in Wien gibt. Im Vorjahr bescherte ihm bereits der bisherige Wiener "Giovanni" ein denkwürdiges Erlebnis, denn da sang er neben dem von ihm hochverehrten René Pape. "Da habe ich Gänsehaut bekommen von dieser dunklen Stimme".

Auf illustre Kollegen trifft DArcangelo freilich auch am Samstag. Denn dann findet die "Musikalische Rückschau" auf die Ära des scheidenden Ioan Holender statt. Eine Arie aus Arrigo Boitos "Mefistofele" wird es für DArcangelo sein. Wie es dazu kam, dass er ebenso wie die übrigen Stars (siehe unten) gratis singen wird? Simple Antwort: "Ioan Holender hat angerufen und gefragt." Und die Zusage dürfte leicht gefallen sein: Holender sei ein "großer Mann" - und das philharmonische Ensemble im Graben "das beste Opernorchester der Welt".

Gegen das Spezialistentum

Ganz korrekt ist die "Rückschau" freilich nicht, wenn DArcangelo da Boitos Faust-Fassung singt: In den 90ern war ihr zwar eine Staatsopern-Premiere gewidmet. DArcangelo stimmt die Noten in Wien aber zum ersten Mal an.

Doch es kann dem sympathisch natürlichen Italiener, den seine Plattenfirma gern zum Antonio Banderas der Opernwelt stilisiert, nur recht sein, vom Image als Mozart-Sänger wegzukommen. Von engen Fachgebieten hält er ja wenig. "Spezialist? Was heißt das?", wehrt er sich gegen die Praxis, nur Sänger mit minimalem Vibrato ins Barock-Gehege zu lassen. Das hat er im Vorjahr selbst betreten - mit einer CD von Händel-Arien. Ob er auch entsprechende Bühnenrollen singt? Ja, etwa in den USA: "Eine kleine Rolle im Xerxes, aber interessant". Wobei er international freilich auch in "Giovanni"-Mission aktiv bleibt. Warum er da die Titelrolle bevorzugt? "Den Leporello kann ich immer noch singen, wenn ich alt bin und einen Bauch habe."

Große Namen

Ein langer Abend wird es werden: Ab 18.30 Uhr blicken am Samstag diverse Künstler, die die Ära von Ioan Holender geprägt haben, auf selbige zurück: Darunter Dirigenten wie Zubin Mehta, Franz Welser-Möst und Peter Schneider, Sängerinnen wie Elina Garanèa und Anna Netrebko und männliche Kollegen wie Plácido Domingo, Michael Schade und Leo Nucci. Das Konzert wird live auf den Karajan-Platz übertragen; ORF 2 sendet zeitversetzt ab 20.15 Uhr.