Wettbewerb gewonnen - und das Werk ist dennoch unaufgeführt geblieben: Zum Festival of Britain gab’s Britten in der Covent Garden Opera und nicht das Siegerwerk "Beatrice Cenci" von Berthold Goldschmidt. Dabei hatte Benjamin Britten an der Ausschreibung für die Uraufführung im Jahr 1951 nicht einmal teilgenommen. Seither gibt es die Mär einer Intrige aus Nationalstolz: der gebürtige Brite sollte zum Zug kommen, nicht der emigrierte Deutsche.

"Beatrice Cenci" blieb bis 1988 in der Schublade, erst da erfolgte die Uraufführung konzertant, 1994 schließlich auch szenisch. Der Komponist konnte beides erleben, er starb 1996 im Alter von 93 Jahren.

Weshalb die Bregenzer Festspiele diese Oper um eine reine, fast heiligmäßige Mörderin ausgegraben haben, erschließt sich nicht ganz. Johannes Erath versteckt seine unentschlossene Regie in einem Kostümwust, bei dem man unsicher ist, ob er ironisch oder ernst gemeint ist. Die Musik, vom Ensemble und den Wiener Symphonikern unter Johannes Debus glänzend realisiert, pendelt zwischen der Süße Korngolds, ohne richtig ins Ohr zu gehen, und der Rhythmik Prokofjews, ohne richtig in die Beine zu fahren. Beatrices Arie vor ihrer Hinrichtung freilich ist ein Meisterwerk - dennoch: Auch in der schließlich statt der "Cenci" uraufgeführten Oper Brittens steht, welch Zufall, solch eine Arie eines Todeskandidaten: Die Titelgestalt singt sie, ein Matrose. Spätestens da macht dann der Vergleich sicher und man kann nur zu gut nachvollziehen, weshalb die Wahl der Covent Garden Opera auf Brittens "Billy Budd" fiel. Goldschmidt war ein Talent - und Britten ein Genie.

Berthold Goldschmidt
Berthold Goldschmidt

Richard Wagner wählte als Thema seiner ersten Oper, "Die Feen", Carlo Gozzis Drama "La donna serpente", die (Frau als Schlange). Knapp 100 Jahre später griff der italienische Komponist Alfredo Casella ebenfalls zu diesem Drama. Die Handlung erzählt verwicklungsreich von der Liebe einer Frau aus der Geisterwelt zu einem Sterblichen. Während Wagner daraus eine romantische Oper machte, spürt man bei Casella den Geist der Commedia dell‘arte. Der stilistisch wandelbare Italiener, der in seiner Symphonik auch Einflüsse Mahlers verarbeitet, schreibt hier eine Musik frei von Verdi und Puccini, federnd, elegant und voller Italianità im Sinne von Rückgriffen auf Monteverdi, die Madrigal-Komödie und auf Rossinis Allegro-Manier (und eine Prise Richard Strauss gibt‘s obendrein). Regisseur Arturo Cirillo setzt auf die bunte Märchenkomödienwelt mit Tiefgang, und am Pult lässt Gianandrea Noseda die Partitur fukeln und leuchten. Unwiderstehlich ist das!