Die Zeit, sie eilt. Jetzt ist es auch schon 14 Jahre her, dass Georg Breinschmid, damals als begnadeter Kontrabassist in der heimischen Jazzszene geschätzt, erstmals mit einem üppigeren Album als Komponist auf sich aufmerksam gemacht hat. Seine Doppel-CD "Wien bleibt Krk" erwies sich 2008 als eine der schönsten Früchte des Hypes um die Tanzmusik vom Balkan: Der gebürtige Amstettener hatte sich Instrumentalstücke entstoßen, die mit asymmetrische Rhythmen in die Beine fuhren und mit glühenden Melodielinien auf ekstatische Gipfel zusteuerten. Damit nicht genug, ergänzte Breinschmid das Album mit schelmischen Wienerliedern und frönte seiner Lust an Hommagen und Collagen mit Schlenkern in Richtung Klassik und Jazz - Stile, die in Breinschmids Welt ohnedies nah beinander liegen, allzeit bereit dazu, fröhlich miteinander verquirlt zu werden.

An dieser Ausrichtung Breinschmids - Musik als knallbuntes Kaleidoskop - hat sich bis heute nichts geändert. Allerdings: Der 49-Jährige positioniert sich auf seinem neuen Doppelalbum stärker als Komponist denn je und stellt Eigenkreationen vor, die vor allem im Auftrag klassischer Ensembles und Festivals entstanden sind. "Vier Sätze für Streichquartett" etwa oder die "Impressionen für Klavierquintett" - handwerklich gediegene Stücke, die in ihrer Besetzung eherne Traditionen der "Ernsten" Musik aufgreifen. Dennoch behält Breinschmid seinen eklektischen Ansatz bei. Das Quintett etwa: Auf einen zwingend swingenden Satz folgt ein Stück, das halb an eine Popballade erinnert, halb an eine Kantilene der Groupe des Six - eine Mehrdeutigkeit, die delikaten Reiz besitzt. Das ist aber nicht immer so. Das Streichquartett - anfangs fesselt es mit dem schroffen, expressiven Tonfall eines Dmitri Schostakowitsch - kippt wenig später ein krudes Zickzack aus Schubertianischen Kantilenen und kreuzfidelen Zitaten ("Zillertaler Hochzeitsmarsch"!). Offen gesagt: Wer an einem Musikstück innere Stimmigkeit schätzt, wird sich hier mitunter schwertun. Wer einen Stilbruch jedoch nicht als Beinbruch empfindet, sondern eher als Bindeglied auf dem Weg durch eine abenteuerliche, knallbunte Klangwelt, dürfte mit Breinschmids Stücken, interpretiert von Spitzenkräften wie Emmanuel Tjeknavorian, Benjamin Schmid und Matthias Bartolomey, seine helle Freude haben.

Georg Breinschmid
Georg Breinschmid

Wenn sich mehrere Klassik-Stars für ein Kammerkonzert zusammentun, ist Skepsis mitunter angebracht. Es macht nicht selten den Eindruck, dass solche Gruppen mehr Prominenz als Kompetenz auf die Waage bringen - und dass es da auch mit dem viel beschworenen gemeinsamen Atmen nicht weit her ist. Ganz anders das Trio Yuja Wang, Gautier Capucon und Andreas Ottensamer. Was für eine feinfühlige Kammermusikerin in der chinesischen Über-Pianistin steckt, erweist sich im Mittelsatz von Brahms’ Cello-Sonate auf betörende Art; es ist ein Genuss, wie geeint die Tastenvirtuosin und der klangsinnliche Franzose auch die emotionalen Verläufe der wundervollen g-Moll-Sonate Rachmaninows ausgestalten und schlussendlich gemeinsam mit Ottensamer im Brahms’schen Klarinetten-Trio brillieren.