"Er spielte, als ob er improvisierte, mit jener raschen Konzentration, jener Fähigkeit, die Töne hervorzubringen, als ob sie gerade erst aus dem namenlosen Nichts entstanden seien." Yehudi Menuhin, Geigenstar des 20. Jahrhunderts, hat diese Worte über seinen Lehrer George Enescu gesprochen. Dieser war nicht nur ein Meistergeiger nach technischen Kriterien, sondern auch ein Charismatiker reinsten Wassers. "Alle Musiker, die ihn kennengelernt und mit ihm gespielt hatten, sagen das Gleiche: Enescu war eine der größten Anregungen in ihrem Leben", so Menuhin. Pablo Casals bezeichnete ihn gar als "das größte musikalische Phänomen seit Mozart".

Tatsächlich hatte der Rumäne zeit seines Lebens (1881-1955) einiges bewegt. Er war nicht nur Virtuose, sondern werkte auch als Dirigent, gründete selbstbewusst ein Enescu-Orchester und einen gleichnamigen Preis und betätigte sich zudem als Komponist.

In dieser Rolle war Enescu zwar kein Neutöner, beschritt aber eigene Wege: In seinen besten Arbeiten hat der Rumäne eine ruppige Folklore mit kühnen Tönen der Moderne und dem Erbe des 19. Jahrhunderts vereint. Seinen üppigsten Ausdruck findet dieser schillernde Mischstil in "Oedipe", Enescus Opus magnum für die Opernbühne, zuletzt 2019 in Salzburg präsentiert.

George Enescu.

George Enescu.

Enescu hat aber auch Stücke für die Kammer verfasst, und daran arbeitet sich nun die Pianistin Daria Parkhomenko ab. Das Debütalbum der virtuosen Russin und gebürtigen Rumänin versammelt eine Handvoll Klavierwerke ihres Landsmanns. Zugeben: Dabei zeigt sich auch, dass Enescu nicht immer in Hochform komponiert hat. Seine Zweite Klaviersuite ist so ein Fall: ein eher biederes Bravourstück für flinke Finger und effekthungrige Ohren. Es fehlt an Substanz, auch in der Dritten Klaviersonate. Die Erste Sonate erweist sich dagegen als Preziose: Hier leuchtet das magische Glitzerkolorit von Claude Debussy, prangen Klangbilder von wuchtiger Schroffheit und begeistert ein Schlusssatz, der die Grenzen der Tonalität auslotet. Zugegeben: Auch das ist kein Meisterwerk für die Ewigkeit, wie man so sagt. Aber es ist eine Rarität, die einem den Tag versüßen kann.

Jaromir Weinberger.

Jaromir Weinberger.

Ein Mix an Einflüssen

Selbiges gilt für die Klaviermusik von Jaromír Weinberger. Bereits als Kind an den Tasten und am Notenpapier tätig, war auch er mit Mozart verglichen worden. 1896 geboren, verbuchte der jüdische Prager in der Zwischenkriegszeit mit "Schwanda, der Dudelsackpfeifer" einen kurzzeitigen, folkloristischen Welterfolg an den Opernbühnen; 1967 starb er in den USA, wohin er vor den Nazis geflüchtet war. Der heimische Pianist Gottlieb Wallisch hat nun mit makelloser Technik und Elan etliche von Weinbergers könnerhaft gesetzten, oft gut gelaunten und zugänglichen Klavierstücken erstmals auf Tonträger gebannt.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.

Auch dieses Œuvre ist weniger das Resultat einer Künstlerhandschrift als ein Kondensat verschiedener Einflüsse: auch hier viel Debussy, dazu vollgriffige Brahms-Romantik und etwas Neoklassizismus. Vielleicht sagt man es am besten so: Es ist dies eine Klaviermusik, die dem Ohr gefällig ist - aber nicht in einem fragwürdigen, sondern in einem eleganten, gewinnenden und wohltuenden Sinn.