Präludien sind in etwa so zeitgemäß wie Spargel im Winter. Dieses wohl wissend, hat Ryuichi Sakamoto diese rare Klangkost bei einer Konzertreise durch Japan bloß dosiert feilgeboten. Seine Abende begannen mit einem improvisierten Klavierstück, ehe er sich auf vertrautes Terrain begab. Nach 24 Konzerten hatte er ebenso viele Präludien in Dur- und Molltonarten beisammen. Vorbilder hierfür finden sich bei Bachs "Wohltemperiertem Klavier" oder Chopins "Préludes".

Seine Improvisationen schickte Sakamoto an Christian Fennesz in Wien, der sie mit Gitarre und Laptop musikalisch unter- und ausmalte. Die beiden Komponisten trafen sich dann in einem New Yorker-Studio, um das Material zusammenzuführen und abzumischen.

"Flumina" ist eine Meditation über das Wasser oder - metaphorischer - über einen Heraklitschen Fluss der Klänge. Indes schwebte den Musikern weder ein plätschernder Bach noch ein reißender Strom vor, bauen sie doch auf wiederholende Modulationen in ihren Stücken, wobei sich Fennesz erstaunlich zurückhält. Manchmal hätte man sich etwas mehr Lebhaftigkeit gewünscht.

Gleichwohl fasziniert "Flumina" insbesondere auf der zweiten CD des Doppelalbums, da die Musik dort vom impressionistischen Klangbild an Debussy und von der expressionistischen Färbung an Satie anknüpft. Würde man den zum Teil träumerischen Elektronikhintergrund bei einigen Passagen wegfiltern, wäre man gar nicht weit von Schostakowitschs sezierender Notensetzung in dessen Präludien entfernt.

Jenseits aktueller Musikströmungen ist Fennesz und Sakamoto ein mutiges, ebenso abseitiges wie unzeitgemäßes Juwel gelungen, das ohne Dramatik und Pathos auskommt. Trotz und wegen seiner Konzentration auf Minimalismen und entschleunigte Tempi ist es überraschend funkelnd.