(dawa) Mit der Oper "Fremd" verwirklichte Hans Thomalla 2011 den Komponistentraum schlechthin. Im selben Jahr erhielt er den Förderpreis der Ernst-von-Siemens-Musikstiftung. Das eigene Musiktheater auf renommierter Bühne: Die Staatsoper Stuttgart fungierte als experimentierfreudiger Auftraggeber.

Hans Thomalla Fremd - Musiktheater in drei Bildern, col legno, 2 CDs, 36 Euro
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Der Versuch gelang und wurde zur intellektuellen Beschäftigung mit humanitären Themen in antikem Gewand. Thomalla gießt den Medea-Stoff, herkommend vom Epos der vorchristlichen Zeit, weiterführend zu Grillparzer und zu Cherubinis "Médée", in drei Szenen, Intermezzo und Epilog. Unterhaltsam gelingt das Offenbaren von Heroen, die ob eigener Handlungsunfähigkeit zu Antihelden (Jason: Stephan Storck) mutieren. Die Argonauten treten als Helden-Tenor und Oratorien-Bass, Operetten-Tenor oder Koloratur-Bass auf, über allem der Klang. In Persiflagen wird Thomallas Meisterschaft deutlich. Komplex ergeben sich die alles verschlingenden Klangebenen der Medea (Annette Seiltgen), punktuell wird die Live-Elektronik eingesetzt. Johannes Kalitzke führt das Staatsorchester Stuttgart durch die verworrenen Wege der Gegenwartsmusik.