Von dieser Premiere durfte man einiges erwarten: Die charismatische Pianistin Hélène Grimaud und die Wiener Philharmoniker spielten erstmals gemeinsam, das Ereignis zu dirigieren war dem kanadischen Jungstar Yannick Nézet-Séguin gegönnt.

Die französische Virtuosin hatte bei ihrem Besuch das Klavierkonzert Nr. 1 von Johannes Brahms im Gepäck. Der mächtigen Anlage der verkappten Symphonie wurde man im Konzerthaus mehr als gerecht: Zwei gleichberechtigte Klangkörper standen sich gegenüber. Mit majestätischer Wucht meißelte Grimaud Bassfiguren aus dem Steinway, knüpfte flötenklare Trillerketten und breitete seidenweiche Kantilenen aus. Und die konzentrierten Wiener Philharmoniker steuerten ihren strahlendsten Orchesterklang bei. Zwar irritierten bei Grimaud technische Details - hemmungsloses Nachschlagen und überlautes Pedalisieren -, all das stand aber im Dienst der weitgespannten Melodie. In halsbrecherischem Tempo stürzte sich Grimaud ins Rondo-Finale. Der Jubel war ihr und dem Orchester sicher.

Nichts für Zartbesaitete war auch Tschaikowskys "Pathétique". Nézet-Séguin setzte den mit Brahms eingeschlagenen Weg fort: Die Philharmoniker gaben sich einem volltönenden Klangrausch hin, manche Passage - etwa der walzerartige zweite Satz - wäre schwebender, leichter denkbar gewesen. Der Dirigent ließ alle Themen durch deutliche Akzente formen, brachte die Melodien zum Sprechen und ging als Orchester-Animateur deutlich vernehmbar schnaubend bis zur körperlichen Entäußerung. Hélène Grimaud war nicht die Einzige im Publikum, die Bravo schrie.

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